Blitzeis: Extreme Glätte verursacht Straßenchaos
Blitzeis und neuer Schnee Deutschland rutscht
Hamburg - Der Winter schlägt Kapriolen: Schnee, Regen, Glatteis und Sturmböen - alles ist in den nächsten Tagen drin. Zugleich wird es deutlich milder, wie der Deutsche Wetterdienst am Wochenende in Offenbach mitteilte. Der Bahnverkehr stabilisierte sich. Große Probleme hingegen gibt es weiter bei der Berliner S-Bahn.
Seit Samstagmittag gab es Hunderte Glätteunfälle auf deutschen Straßen. Allein in Nordrhein-Westfalen zählte die Polizei bis zum Sonntagmorgen 323 Unfälle, die mit den schlechten Wetterverhältnissen zusammenhingen. Der Sachschaden belaufe sich auf rund 820.000 Euro. 44 Menschen wurden dabei verletzt, fünf von ihnen schwer. Die Polizeizentrale in Duisburg rief die Autofahrer am Sonntag auf, sehr vorsichtig zu fahren. Vor allem in den Höhenlagen bestehe weiterhin die Gefahr örtlicher Straßenglätte.
Neuschnee hat am zweiten Advent mehrere Straßen im Harz so stark verschneit, dass sie gesperrt werden mussten, teilte das Lagezentrum im Innenministerium mit. Auch umgestürzte Bäume blockierten die Fahrbahnen. Sturmböen verursachten außerdem starke Schneeverwehungen.
Der Brocken wurde für Besucher gesperrt. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte dort vor Orkanböen, starkem Schneefall und Schneeverwehungen. Der Wind peitschte mit Geschwindigkeiten bis zu 120 Stundenkilometer über den Gipfel hinweg.
In Polen fordert der strenge Winter immer mehr Todesopfer. Seit Samstag erfroren fünf weitere Menschen, teilte ein Polizeisprecher in Warschau mit. In der Nacht zum Sonntag fielen die Temperaturen im Süden des Landes auf minus 22 Grad. Seit Anfang Dezember erhöhte sich damit die Zahl der Kältetoten auf 36. Die meisten Opfer sind Obdachlose und alleinstehende ältere Menschen auf dem Lande.
Bahnverkehr stabilisiert sich
Nach dem tagelangen Chaos auf den Thüringer Bahnstrecken fuhren die meisten Züge am Sonntagvormittag wieder planmäßig. Die Bäume, die unter der Schneelast auf Gleise und Oberleitungen zu stürzen drohten, seien beschnitten worden.
Auch die anderen Züge im Fern- und Nahverkehr fuhren am Sonntagmorgen wieder überwiegend pünktlich. Lediglich vereinzelte Züge verspäteten sich noch um bis zu 15 Minuten. Allerdings bleiben die Regionalbahnstrecken zwischen Saalfeld und Blankenstein sowie zwischen Gotha und Gräfenroda weiter gesperrt.
Die S-Bahn in Berlin hatte am Wochenende erneut technische Probleme wegen des kalten Wetters. Wie das Unternehmen mitteilte, wurden deshalb die Takte einiger S-Bahnen reduziert, manche fuhren nur noch drei Mal in der Stunde. Außerdem wurden einige Linien verkürzt.
Dafür muss die S-Bahn einige Kritik einstecken: Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat das Unternehmen aufgrund des neuerlichen Winterchaos scharf angegriffen. Ihm fehle jedes Verständnis dafür, dass gleich beim ersten Schnee die S-Bahn wieder derart peinliche Ausfälle melden müsse, sagte Wowereit der Sonntagausgabe der "Berliner Morgenpost".
Hiddensee entwickelt Notfallplan
Das Wetterdesaster der letzten Saison soll sich nicht wiederholen: Im vergangenen Winter war die Ostseeinsel Hiddensee tagelang von der Außenwelt abgeschnitten, Lebensmittel wurden knapp, der Müll häufte sich. "Wir sind den Ereignissen hinterher gelaufen. Das darf nicht noch einmal passieren", sagte Insel-Bürgermeister Thomas Gens. Nach dem Verkehrschaos im vergangenen Jahr rüstet sich Hiddensee nun mit einem Notfallplan für den Winter.
Die Gemeinde und die Reederei Hiddensee wollen sicherstellen, dass Notärzte, Versorgungseinrichtungen und die rund 1000 Bewohner der weitgehend autofreien Insel bei einer Gefahrenlage rechtzeitig informiert werden, sagte Jörg Lettau vom Reederei-Mutterunternehmen Weiße Flotte Stralsund. Für bessere Prognosen sollen die Kapitäne der Hiddensee-Fähren als Eisbeobachter Meldungen an das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie in Rostock weitergeben.
Sollte das Eis zu dick werden, sind alle Fähren stillgelegt. "Ab einer festen Eisdecke von 30 Zentimetern wird die Hiddensee-Fähre nicht mehr verkehren", sagte Flottenchef Lettau. Dann greife laut Gens wie im vergangenen Winter eine Luftbrücke. Notverträge mit Helikopter-Unternehmen sollen sicherstellen, dass die Versorgung aus der Luft im Ernstfall schnell gewährleistet ist.
Gefrierende Glätte und erneuter Schneefall
Am Sonntag soll es laut DWD vor allem in den Mittelgebirgen und nördlich davon schneien. Dabei werden gebietsweise fünf bis zehn Zentimeter, im westlichen und nördlichen Mittelgebirgsraum bis zu 25 Zentimeter Neuschnee erwartet. Im äußersten Westen falle später teilweise Regen und es bestehe die Gefahr von Glatteis. Später setze auch im Südwesten teils länger andauernder und ergiebiger Schneefall ein. Tiefsttemperaturen befinden sich laut DWD zwischen null bis minus sechs Grad, am kältesten sei es in Niederbayern und im Norden.
"In der Nacht zu Montag halten in der Mitte und im Süden die Niederschläge an," sagte Meteorologe Martin Jonas vom DWD. "insbesondere im Schwarzwald muss mit ergiebigem Schneefall von teils mehr als 20 Zentimeter gerechnet werden." Für Wintersportler ist die Wetterprognose trotz Tauwetter vielversprechend. Ski- und Snowboardakrobaten können sich auf die in der Nacht zu Donnerstag erneut einsetzenden Schneefälle im Süden freuen. "Da aller Wahrscheinlichkeit nach die Schneedecke in den Hochlagen des Südens nicht komplett wegtaut, ist für die in der zweiten Wochenhälfte kommenden Schneefälle noch eine gute Grundlage vorhanden", so Jonas.
In der Mitte und im Norden Deutschlands dominiert weiterhin die Glätteproblematik. Die warme Luft werde sich im Norden allerdings nicht durchsetzen können - ab der Wochenmitte sei deshalb mit Dauerfrost zu rechnen.