Blutsauger Nach der Flut kommt die Mückenplage
Hamburg - Dort, wo das Hochwasser bereits abgeflossen ist, müssen sich die Menschen ab der kommenden Woche auf eine neue Plage einstellen: Culex pipiens, wie Wissenschaftler die gemeine Stechmücke nennen. In einem bis zu zehn Kilometer breiten Streifen entlang der überschwemmten Gebiete werden die pieksenden Plagegeister ihre Runden drehen, Blut saugen und mit ihrem Surren die Anwohner auch in der Nacht zur Verzweiflung bringen, prophezeit Andreas Arnold von der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Mückenplage in Waldsee bei Ludwigshafen. "Man kann davon ausgehen, dass es heftig wird."
Bei dem warmen Wetter schlüpfen die Mücken wie am Fließband. 200 bis 300 Eier legt ein Weibchen, werden dann die Eier überschwemmt, entwickeln sich innerhalb von einer bis zwei Wochen die Larven zu flugfähigen Insekten - und sind dann reif für die Paarung. Durch Tanzschwärme, eleganten Flügelschlag und betörende Töne suchen die Männchen die Weibchen zu verführen - und werden damit zur Qual für Menschen. Denn die begatteten weiblichen Insekten brauchen Blut - und zwar so oft wie möglich, um dann auch mehrmals ihre Eier ablegen zu können.
Eine konkrete Gesundheitsgefahr besteht nach Arnolds Ansicht trotz des verschmutzten Wassers, in dem sich die Schnaken derzeit entwickeln, nicht. "Außer lokalen Hautreizungen mit Rötungen und Schwellungen sind keine größeren Probleme zu erwarten," sagt der Wissenschaftler.
Hoffnung, dass die Plage an den Menschen in der Region doch noch vorbei geht, gibt es nicht. Wenigstens wollen die Hersteller von Mückenschutzmitteln dort für genügend Nachschub sorgen. Nach einem Bericht des "Hamburger Abendblatts" wird Autan von Bayer derzeit vor allem in die Hochwassergebiete geliefert. Wenn die Mücken erst einmal fliegen, kann man sich nur noch durch Cremes oder Sprays schützen, am besten die Fenster mit Mückengitter verschließen und warten, bis das Spektakel vorbei ist. Das kann sechs bis acht Wochen dauern. So lange leben die Schnaken im Durchschnitt.
Mit Mückenbekämpfung versucht seit kurzem der Radiosender Oldie 95 die Einschaltquote zu erhöhen. Zum normalen Programm wird laut Werbung der Hamburger ein so genannter Anti-Mücken-Ton im Ultraschallbereich gesendet. Während er für das menschliche Ohr nicht hörbar sei, würden die Insekten durch den Ton vertrieben. Gegenüber SPIEGEL ONLINE erklärte Pressesprecherin Martina Müller, an der Geschichte sei nichts dran. "Das ist ein Spaß. Wenn Hörer genauer nachfragen, klären wir sie auf."
Gerüchte, dass Insekten auf Töne reagieren, kursieren immer wieder. Wissenschaftlich sei das aber nicht belegt, sagt Arnold. Und selbst wenn es funktionieren würde, muss man sich wohl fragen, wobei man besser schlafen kann: Mückensurren oder Radio-Dauerberieselung?