Blutspendenskandal Geldstrafe für tausendfachen Tod
Hamilton - Über die Geldstrafe hinaus stellt das Rote Kreuz 1,5 Millionen Dollar für Stipendien an Mitglieder betroffener Familien und für ein medizinisches Forschungsprojekt bereit. Der Blutspendenskandal gilt als eine der größten Katastrophen für die öffentliche Gesundheit in der Geschichte Kanadas. Mehr als 1000 Kanadier wurden durch die verseuchten Blutprodukte in den 80er Jahren und Anfang der 90er mit dem Aids-Virus infiziert, bis zu 20.000 weitere zogen sich Hepatitis C zu.
Vor Gericht in Hamilton in der Provinz Ontario entschuldigte sich der Generalsekretär des Kanadischen Roten Kreuzes, Pierre Duplessis, in einer Videoerklärung für das Leid, das das Vorgehen der Organisation über zahlreiche Familien gebracht habe. Das Rote Kreuz bekenne sich zu seiner Verantwortung dafür, "schädliche Produkte an diejenigen verbreitet zu haben, die sich für ihre Gesundheit auf uns verlassen haben".
Opfer des Blutspendenskandals äußerten sich kritisch hinsichtlich der geringen Entschädigungssumme: "Tausende haben bereits ihr Leben verloren, Hunderte leben noch mit dem fatalen Virus. Die heutige Entscheidung ist kein großartiges Ergebnis für die Betroffenen", sagte Mike McCarthy der "National Post".
Staatsanwalt John Ayre bezeichnete die Strafe hingegen als angemessen, weil das Rote Kreuz eine humanitäre Organisation sei. "Wäre eine massive Geldstrafe verhängt worden, hätte sie unvermeidlicherweise aus den Spendengeldern des Roten Kreuzes bezahlt werden müssen. Die sollen aber eigentlich anderen Hilfsprojekten zu Gute kommen", sagte Ayre der "National Post". Darüber hinaus sei das Kanadische Rote Kreuz nicht mehr mit Blutspenden oder der Verteilung von Blut befasst.