Bochum: Gefahr am Krater gebannt - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Bochum Gefahr am Krater gebannt

Zwei Tage nach den Rettungsarbeiten am "Bochumer-Loch" ist die direkte Gefahr an den Abbruchkanten vorbei. Der 500 Quadratmeter großer Krater ist bis auf eineinhalb Meter unter der Oberkante mit Beton aufgefüllt. Doch vorerst dürfen 22 Menschen noch nicht in ihre Häuser zurück.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Bochum - Betonmischer pumpten unentwegt weiter Füllmaterial in den Krater, der durch einen Bergschaden entstand. Die Einsatzleitung bezeichnete die Lage als "technisch stabil" und äußerte sich verhalten optimistisch. "Die weitere Arbeit ist nur noch Routine", hieß es. Der Schaden geht nach ersten Schätzungen inzwischen in die Millionen. In der Region diskutierten unterdessen die Bewohner weiter über die noch lauernden Gefahren durch den Bergbau.

Als Reaktion auf die Schäden kündigte Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsminister Peer Steinbrück (SPD) ein Programm an, um Bergschäden im gefährdeten südlichen Ruhrgebiet schneller aufzuspüren. Dazu sollen allein in diesem Jahr 15 Millionen Mark zusätzlich bereitgestellt werden. "Die Landesregierung wird mit einem Drei-Stufen-Programm die unmittelbare Umgebung der Trichter, den Stadtteil Bochum-Höntrop und das gesamte südliche Ruhrgebiet verstärkt untersuchen", sagte Steinbrück. Dazu sollen Bohrungen in bis zu 50 Meter Tiefe, seismische Messungen gemacht und Schächte untersucht werden.

Die Arbeiten am Hauptloch sollen nach Angaben von Steinbrück am Mittwoch abgeschlossen werden. Das Ende der Gesamtarbeiten am Unglücksort ist noch nicht abzusehen. "Es kann noch Stunden, aber auch Tage bis zur endgültigen Sicherung dauern", sagte ein Sprecher des Bergamtes Recklinghausen. In 15 Metern Tiefe härte der Betonpfropfen im Hauptloch aus und stabilisiere die Seitenwände, betonte die Einsatzleitung. Auch im acht Meter tiefen zweiten Loch, das sich während der Rettungsarbeiten einen Tag nach dem ersten Einsturz auftat, halte der Pfropfen. Der Beton versickere nicht, der Pegel steige. Den zweiten Einsturz hatten die Experten erwartet, da im Umkreis von bis zu 30 Metern immer mit weiteren Absenkungen zu rechnen ist.

Am Sonntagmorgen hatte sich in dem Wohngebiet ein riesiger Krater gebildet. Das Hauptloch, das zunächst auf 40 Meter Tiefe geschätzt wurde, verschlang zwei Garagen und ein Auto. Bis Dienstag konnte es mit rund 2000 Kubikmetern Beton verfüllt werden. Zehn Häuser mit 22 Bewohnern, darunter Kinder und eine 90 Jahre alte Frau, mussten evakuiert werden. Die Menschen verbrachten die Nächte in Hotels.

Als Ursache für den spektakulären Einsturz kommt ein uralter Kohleflöz in Betracht, der nicht in den Bergbauakten verzeichnet ist. Unter dem Unglücksgebiet verläuft auch eine 1904 geschlossene Schachtanlage, die als gesichert gilt, wegen Druckänderungen in den vergangenen Wochen aber unter täglicher Beobachtung stand.

Vorerst können die Menschen noch nicht in ihre Häuser zurück. Wenn der Beton ausgehärtet ist, werden alle umliegenden Gebäude auf ihre Sicherheit überprüft. Die beiden Häuser an der Abrisskante dürfen aber wohl vorläufig nicht betreten werden. Aus den acht weiter entfernt stehenden Gebäuden konnten die Bewohner am Dienstag zumindest ein paar Habseligkeiten holen, sagte Bochums Sozialdezernent Dieter Neukirchen.