Boeing-Absturz: Helios gibt frühere Probleme zu - DER SPIEGEL
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Boeing-Absturz Helios gibt frühere Probleme zu

Nach dem verheerenden Flugzeugabsturz bei Athen mehrt sich die Kritik an der Fluggesellschaft Helios: Wie ein ehemaliger Chefingenieur berichtete, gab es bereits vor Monaten gravierende Probleme mit dem Luftdruck-Ausgleichsystem der Unglücksmaschine. Jetzt gestand auch die Airline Schwierigkeiten ein.
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Athen/Nikosia - Helios räumte heute ein, dass die Maschine schon einmal Probleme mit dem Kabinendruck hatte. In der sechsjährigen Firmengeschichte habe es in einem einzigen Fall in einem Flugzeug "Druckabfall" gegeben, dabei habe es sich um die Unglücksmaschine vom vergangenen Wochenende gehandelt, erklärte das Unternehmen auf seiner Internetseite. Nach seinen Angaben musste die Maschine damals auf dem Weg von Warschau nach Larnaka notlanden.

Wann der Vorfall war, ließ das Unternehmen offen. Es versicherte jedoch, sowohl die britische wie auch die zyprische Luftfahrtbehörde hätten bei der Untersuchung des Zwischenfalls an der Wartung der Maschine nichts beanstandet. Helios ist der einzige private Billigflieger Zyperns. Er wurde 1999 als Konkurrenz zur öffentlichen Fluglinie Cyprus Airways gegründet.

Die Boeing 737-300 war am Sonntag auf dem Weg von Zypern nach Prag abgestürzt. Es gab keine Überlebenden. Der Stimmenrekorder sei immer noch nicht gefunden worden, sagte der Vorsitzende der griechischen Zivilluftfahrt-Kontrollbehörde, Akrivos Tsolakis, heute Morgen im staatlichen griechischen Fernsehen (NET). "Das, was die Rettungskräfte fanden, war leider nur der Behälter des Stimmenrekorders. Ich bin pessimistisch, dass wir das Gerät noch entdecken."

Der Rekorder würde Aufschluss über den Wortwechsel der Piloten mit der Flugsicherung geben. Vor allem könnte mit Hilfe der Aufzeichnungen wahrscheinlich geklärt werden, was im Cockpit genau geschehen ist, nachdem der Funkkontakt mit der Außenwelt abbrach. Die Mitschnitte geben in der Regel neben den Gesprächen auch alle anderen Geräusche in der Kabine wieder. Der Flugschreiber mit den Daten der Geräte der Maschine dagegen ist nach Worten Akrivos Tsolakis intakt. Er soll in den kommenden Tagen nach Paris zur Auswertung geschickt werden.

"Erhebliches Problem mit dem Luftdruck-Ausgleichsystem"

Nach dem Flugzeugabsturz hat die zyprische Justiz umfangreiche Untersuchungen aufgenommen. Mitarbeiter und ehemalige Helios-Passagiere werden über ihre Erfahrungen und Erkenntnisse befragt. In der Nacht hatte die Polizei bei einer Razzia in den Büros der Fluggesellschaft Beweismaterial über den Zustand der Maschinen sichergestellt.

Angaben des ehemaligen Helios-Chefingenieurs Kyriakos Pilavakis zufolge gab es bereits am 18. Dezember 2004 massive Schwierigkeiten bei der Unglücksmaschine: "Die Maschine hatte damals ein erhebliches Problem mit dem Luftdruck-Ausgleichsystem. Der Pilot musste von 12.000 auf 3000 Meter runtergehen", sagte er heute im staatlichen zyprischen Fernsehen RIK.

Die Maschine habe anschließend auf Zypern notlanden müssen. Danach blieb sie fünf Tage lang am Boden, um überprüft zu werden. "Anschließend schickten wir sie nach Großbritannien, wo sie erneut vier Tage lang kontrolliert wurde", sagte der Ex-Chefingenieur. Pilavakis hat am 1. April dieses Jahres gekündigt.

Die Mutter des getöteten zyprischen Co-Piloten Pambos Charalambous sagte dem Sender Antenna TV, ihr Sohn habe sich mehrmals über Sicherheitsmängel des Flugzeugs beklagt. Sie habe ihn bedrängt, "nicht zu fliegen". Ihr Sohn habe Helios mitgeteilt, dass es in der Maschine kalt sei; die Gesellschaft habe ihm daraufhin zugesichert, sich darum zu kümmern.

Bei dem noch nicht geborgenen deutschen Piloten soll es sich um einen 58-Jährigen aus Thüringen handeln. Er soll zuletzt in Berlin gelebt haben, berichtet die "Thüringer Allgemeine" heute. Bevor er Pilot bei Helios Airways wurde, habe er Maschinen der DDR-Gesellschaft Interflug und der Lufthansa gesteuert.

Identifizierung der Leichen gestaltet sich schwierig

"Insgesamt haben wir 45 Leichen in einem relativ guten Zustand gefunden, 21 davon konnten leider nicht identifiziert werden", sagte ein Gerichtsmediziner dem griechischen Fernsehen. Noch schwieriger werde die Identifizierung von 73 Leichen, die nach den Worten des Arztes verkohlt sind. "Wir werden vermutlich mehrere DNA-Tests durchführen müssen."

Bei Untersuchungen von sechs Toten hatten Gerichtsmediziner festgestellt, dass diese bis zum Zeitpunkt des Aufpralls am Leben waren. "Ihr Herz schlug und sie atmeten", sagte ein Arzt. Dies bedeute jedoch nicht, dass sie noch bei Bewusstsein waren.

Zypern und Griechenland trauern

Mit einer Staatstrauer gedenkt Griechenland heute der 121 Todesopfer des Flugzeugabsturzes. Die Fahnen auf allen öffentlichen Gebäuden wurden am Morgen auf Halbmast gesetzt. Mittags sollten vor allem in den Behörden und Ämtern drei Schweigeminuten eingelegt werden, hieß es im staatlichen Fernsehen. Die Regierung will sich in der Athener Kathedrale zu einer Andacht für die Toten treffen.

Auch Zypern, wo bereits gestern eine dreitägige Staatstrauer begonnen hat, gedachten zahlreiche Menschen bei Trauerfeiern der Toten. In der Nacht zündeten Einwohner in Larnaka Hunderte Lichter an. Für heute ist in der Kathedrale von Nikosia eine Andacht geplant.

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