Bombenanschlag Zweiter Verdächtiger festgenommen
Düsseldorf - Bei der Durchsuchung seiner Wohnung wurden Waffen und Munition gefunden, für die der Mann aber amtliche Genehmigungen besitzt. Unterdessen wurde bekannt, dass der zuerst verdächtigte 34-jährige Militaria-Händler Kontakt zu rechten politischen Kreisen hatte, Verbindungen zu NPD und DVU. Dennoch warnte ein Polizeisprecher vor einer Vorverurteilung des Mannes: Es gebe keinen dringenden Tatverdacht gegen den Beschuldigten.
Bei der Durchsuchung seiner Geschäfts- und Privaträume sei kein belastendes Material entdeckt worden. Eine Woche nach dem Anschlag hatten am Donnerstag Polizisten am Tatort, einer Düsseldorfer S-Bahnstation, die Passanten befragt. "Wir wollten alle Personen sprechen, die dort zur Tatzeit gewöhnlich vorbeikommen", hieß es. Die Ermittler seien mit dem Ergebnis der Aktion zufrieden, dennoch gebe es weiterhin keine heiße Spur. Linke Gruppen haben für diesen Samstag zu einer Demonstration gegen Neonazis in der Nähe des Tatorts aufgerufen.
Auch am Freitag lagen noch sechs der zehn Opfer des Anschlags in Krankenhäusern. Bis auf ein schwer verletztes Ehepaar seien alle anderen Opfer inzwischen vernommen worden, berichtete ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Wegen ihrer äußerst schweren Verletzungen waren der 28-jährige Mann und seine 26 Jahre alte Ehefrau, die bei dem Anschlag ihr ungeborenes Kind verlor, noch nicht vernehmungsfähig.
Auf Hinweise zur Ergreifung der Täter sind weiterhin 120.000 Mark Belohnung ausgesetzt. Die Opfer kommen alle aus der ehemaligen Sowjetunion; die meisten von ihnen sind jüdischen Glaubens. Wie der Sprengsatz gezündet wurde, ist noch immer unklar. Die Granate war in einer Plastiktüte am Geländer der Fußgängerbrücke der S-Bahnstation deponiert. Bei der Handgranatenhülle handelte es sich um ein Weltkriegsmodell, in das der Sprengstoff TNT gefüllt worden war.