Bootsflüchtlinge Odyssee geht weiter
Sydney/Genf - Zwar hat Australien am Samstag in Genf seine Pläne für eine Lösung des Konfliktes erläutert; die Beratungen, an denen neben Australien auch Norwegen, Indonesien und Neuseeland unter Leitung des Uno-Flüchtlingshochkommissariats UNHCR teilnahmen, wurden aber am Nachmittag ohne konkretes Ergebnis beendet. Man warte auf weitere Einzelheiten aus Sydney, erklärte das UNHCR.
Nach australischen Angaben hatte man sich knapp eine Woche nach Beginn des Flüchtlingsdramas im Indischen Ozean mit Neuseeland und dem Südpazifikstaat Nauru auf eine Lösung verständigt. 150 Flüchtlinge, vor allem Frauen und Kinder, sollten Aufnahme in Neuseeland finden. Die übrigen der insgesamt 460 Flüchtlinge auf dem norwegischen Frachter "Tampa" sollten zunächst in dem Zwergstaat Nauru im Westpazifik bleiben. Dort sollten die Asylanträge der überwiegend afghanischen Flüchtlinge geprüft werden.
Der Kapitän der "Tampa" hat aber deutlich gemacht, dass er einem etwaigen Transport der Bootsflüchtlinge nach Ost-Timor oder der Pazifikinsel Nauru nicht zustimmen wird. Das teilte die zuständige Wilhelmsen-Reederei am Samstag nach telefonischen Kontakten mit Kapitän Arne Rinnan mit.
Reedereisprecher Hans Christian Bangsmoen betonte, das norwegische Außenministerium müsse nun Stellung zu den jüngsten australischen Plänen beziehen. Auch Oslo hatte die Aufnahme eines Teils der Gruppe angeboten, falls Australien seine grundsätzliche Verantwortung für die Flüchtlinge anerkenne.
Der Kapitän begründete sein Beharren auf dem Verbleib des Schiffes vor der Weihnachtsinsel damit, dass das Containerschiff mit insgesamt mehr als 500 Menschen an Bord unter anderem wegen fehlender Sicherheitsausrüstung nicht seetüchtig sei.
Das UNHCR sagte, sein Drei-Stufen-Plan - Landung der Flüchtlinge auf der Weihnachtsinsel, Überprüfung des Flüchtlingsstatuts und Aufteilung auf aufnahmewillige Länder - sei nach wie vor die beste Lösung. "Wir erkennen aber auch an, dass Australien und andere auch weitere Möglichkeiten ausloten."
Der australische Premierminister John Howard betonte, dass die Flüchtlinge nicht auf der Weihnachtsinsel an Land gehen würden. Er nannte den neuen Vorschlag einen echten Durchbruch. Wie die überwiegend aus Afghanistan stammenden Menschen das vier Seemeilen vor der Insel ankernde Schiff verlassen würden, erklärte er nicht. Howard schloss nicht aus, dass die Asylbewerber von Nauru aus später nach Australien oder ein anderes Aufnahmeland umsiedeln würden.
Wegen ihrer harten Haltung war die australische Regierung in den vergangenen Tagen international kritisiert worden. Howard blieb angesichts bevorstehender Wahlen dennoch unnachgiebig und schickte 50 Elitesoldaten zu dem norwegischen Schiff. "Ich glaube, es liegt im nationalen Interesse Australiens, dass wir angesichts der steigenden Zahl illegaler Einwanderer eine scharfe Grenze ziehen."
Die "Tampa" hatte die Flüchtlinge am vergangenen Sonntag aus Seenot vor der Westspitze der indonesischen Insel Java gerettet. Anschließend zwangen die Flüchtlinge den Kapitän, Kurs auf Australien zu nehmen. Indonesien weigerte sich, die Flüchtlinge zurückzunehmen.