Boris Becker: "Es war die längste Stunde meines Lebens" - DER SPIEGEL
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Boris Becker "Es war die längste Stunde meines Lebens"

Auf dem Centre-Court musste Boris Becker trotz aller Siege auch so manche Niederlage einstecken. Das schlimmste Erlebnis seines bisherigen Lebens sei jedoch der Tod des Vaters gewesen, berichtet er in seiner Autobiografie.
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Hamburg - Becker beschreibt den Abschied von seinem Vater als "traumatische Stunde." Karl-Heinz Becker war am 20. April 1999 im Alter von 64 Jahren an Bauchfellkrebs gestorben. "Ich stand vor ihm, er lag da, aber es gab ihn nicht mehr", heißt es in Boris Beckers Buch "Augenblick, verweile doch...", aus dem die "Bild"-Zeitung vorab berichtet. "An diesem Tag im April 1999 erschien er mir wie ein Fremder. Ein Hosenbein seines Anzugs war über den rechten Knöchel gerutscht, und ich konnte auf der Haut einen Schriftzug erkennen - Becker. Mit blauem Filzstift geschrieben."

"Ich zog die Hose über seinen Knöchel und küsste meinem Vater die Stirn. Ich erlebte zum ersten Mal den Tod eines Menschen, den ich von Herzen geliebt hatte", heißt es weiter in dem Buch. "Dies war Abschied", heißt es weiter. "Ich konnte nicht mehr weinen, nicht mehr sprechen."

Als er seinen Vater das letzte Mal lebend sah, habe er im Beisein seiner Mutter Elvira viel erzählt, vom Tennis, vom Reisen, von seinem Sohn Noah und der zweiten Schwangerschaft: "Ich musste die Zeit überbrücken. Er wusste, dass es zu Ende ging."

Sein Vater habe "das alles noch wahrgenommen, aber er hatte abgeschlossen", schreibt Becker. "Ich hatte das Gefühl, er wollte nicht mehr. Meine Mutter und ich haben ihn gestützt und ihn im Wohnzimmer auf die Couch gelegt. Der Krankenwagen kam eine Stunde zu spät. Ich saß meinem Vater gegenüber, er sah mich an, aber er sprach nicht mehr. Es war die längste Stunde meines Lebens."

Ihm sei klar gewesen: "Wenn der Krankenwagen kommt, verlässt der Papa dein Dasein. Die Sanitäter schoben ihn in die Ambulanz, er hob einen Arm, ein letztes Mal. Meine Mutter war gefasst. Sie wusste seit einem dreiviertel Jahr, dass er sterben würde. Die Chemotherapie hatte das Ende aufgeschoben, aber den Krebs nicht besiegt. 'Er kommt nicht zurück, stell dich darauf ein', sagte sie - eine tapfere Frau."