Nach Boston-Attentat: Momente der Stille
Marathon-Attentat Boston gedenkt der Todesopfer
Boston - Es waren Momente der Stille: Eine Woche nach den Anschlägen auf den Marathon haben die Menschen in Boston bei mehreren Gelegenheiten den Attentatsopfern gedacht. Am Montag um 14.50 Uhr (Ortszeit), dem Zeitpunkt, als die erste Bombe detonierte, wurde im ganzen Land eine Schweigeminute für die Opfer abgehalten. Um den abgesperrten Anschlagsort versammelten sich Hunderte Menschen, um Gebete zu sprechen oder Blumen niederzulegen.
Bei dem Bombenanschlag auf den Boston-Marathon waren am 15. April drei Menschen getötet worden, mehr als 180 wurden verletzt. Zwei der Todesopfer wurden nun verabschiedet.
Hunderte Menschen fanden sich für die Beerdigung von Krystle Campbell vor der St. Joseph's Church in einem Bostoner Vorort ein. Unter den Trauernden befanden sich auch der Gouverneur von Massachusetts, Deval Patrick, und US-Senator William Cowan. Der Sarg der 29-jährigen Restaurantmanagerin wurde von einer Polizeieskorte begleitet. "Ich bin so froh, dass so viele Menschen ihr zu Ehren gekommen sind", sagte ein Freund. Ihr Tod sei für ihn immer noch ein Zerrbild.
Bei einem Gedenkgottesdienst an der Universität Boston gedachten Familie und Freunde der getöteten Lingzi Lu. "Sie war die Shirley Temple unserer Familie", sagte der Vater der chinesischen Studentin. Sie bleibe als offene und energiegeladene Person in Erinnerung.
Wann die Beerdigung für den achtjährigen Martin Richard stattfinden soll, ist noch nicht bekannt. Am Mittwoch soll jedoch der bei einer Verfolgungsjagd getötete Polizist Sean Collier beigesetzt werden. Zu dem Begräbnis wird Vizepräsident Joe Biden erwartet.
Strecke symbolisch zu Ende gelaufen
Eine Gruppe von Teilnehmern lief die Strecke des Marathons am Montag symbolisch zu Ende. "Es ist toll, Teil dieser Gruppe zu sein und zu zeigen, dass diese Stadt zwar verletzt wurde, aber nicht am Boden liegt", sagte eine Läuferin dem Sender CNN.
Gute Nachrichten gab es aus dem Massachusetts General Hospital: Ein Sprecher des Krankenhauses teilte mit, dass alle beim Anschlag Verwundeten nun höchstwahrscheinlich überleben würden. Man sei unglaublich erleichtert. 51 Menschen müssten momentan noch im Krankenhaus behandelt werden, drei befänden sich noch in einem kritischen Zustand.
Unterdessen geht die Suche nach den Hintergründen der Tat nur langsam voran. Ermittler befragen zurzeit den 19-jährigen Dschochar Zarnajew, den überlebenden der beiden mutmaßlichen Attentäter von Boston. Er muss jedoch aufgrund einer Schusswunde im Rachen schriftlich verhört werden.
Die Staatsanwaltschaft hat bereits Anklage gegen Zarnajew erhoben, er muss sich wegen der Verwendung von Massenvernichtungsmitteln und heimtückischer Zerstörung von Eigentum mit Todesfolge verantworten. Ihm droht die Todesstrafe. Gemeinsam mit seinem 26-jährigen Bruder Tamerlan, der bei einer Verfolgungsjagd starb, soll er die Anschläge auf den Boston-Marathon verübt haben.
Bei der Verkündung der Anklage habe sich Zarnajew mit Nicken verständlich gemacht und auf die Frage, ob er die Mittel für einen Verteidiger habe, mit "Nein" geantwortet, teilte das Justizministerium mit.
Informationen der Nachrichtenagentur AP zufolge hat Zarnajew erste Auskünfte zum Tatmotiv gegeben. So seien die Brüder offenbar von ihren religiösen Ansichten motiviert gewesen, schienen allerdings mit keiner islamistischen Terrorgruppe verbunden, meldet AP unter Berufung auf zwei US-Beamte, die mit dem Fall befasst seien.
Tamerlan fiel in der örtlichen Moschee auf
Derweil gibt es auch neue Erkenntnisse über Tamerlan Zarnajew. Laut der Islamischen Gesellschaft von Boston hat der 26-Jährige mehrmals in der örtlichen Moschee gestört. Er habe die Glaubensansichten der Prediger in hinterfragt. Unter anderem habe Tamerlan widersprochen, als die Gemeinde aufgefordert wurde, Feiertage wie den 4. Juli zu begehen.
Tamerlans Frau, eine zum Islam konvertierte US-Bürgerin, die von ihm eine Tochter hat, weigerte sich, mit der Polizei zu sprechen, wie US-Medien unter Berufung auf ihren Anwalt berichteten.