Brand im Freizeitpark Schwere Vorwürfe gegen Mitarbeiter
Köln/Aachen - Die Menschen in dem Zug, der unmittelbar vor dem Brandherd in 18 Metern Höhe gestoppt wurde, hätten sich den Flammen hilflos ausgeliefert gefühlt, sagte die 22-jährige Kölner Studentin Diana Haugrund. Als sich die 19 Betroffenen in Todesangst zum Abstieg über Leitern entschlossen hatten, ließen sich die Sicherheitsbügel nicht öffnen. Niemand habe ihnen beim Abstieg geholfen. Am Boden angekommen, seien die Rettungswege aus der Anlage versperrt gewesen.
In einem Schreiben an den Kölner Regierungspräsidenten hat der Vater der betroffenen Studentin, Rolf-Leonhard Haugrund (Aachen), darum gebeten, das interne Krisenmanagement des Freizeitparks zu überprüfen. Bis zum Eintreffen der Feuerwehr sei das Betriebspersonal absolut überfordert gewesen.
Ein schöner Tag endete in Todesangst
Diana wollte sich nach eigenen Angaben mit ihren Freundinnen Bettina, 25, und Anja, 21, im Phantasialand einen schönen Tag machen. In 18 Metern Höhe wichen Freude und Ausgelassenheit der Todesangst. Der Zug mit 19 Fahrgästen, darunter eine Mutter mit einem 10-jährigen Kind, stoppte vor der Einfahrt in den brennenden Tunnel. Qualm und Flammen schlugen den Menschen entgegen.
"Ich bin zuerst in dem Glauben sitzengeblieben, die retten uns. Das kann anders gar nicht sein", erinnerte sich Diana an die Situation: "Das Feuer kam immer näher und es war superheiß. Ich habe Angst gekriegt, bei lebendigem Leib zu verbrennen." In den wenigen Minuten, die sie dort oben saßen, beobachtete sie, wie andere Parkbesucher am sicheren Boden das Drama fotografierten.
"So einfach will ich nicht sterben"
Ihre Freundin Bettina ergriff die Initiative, der möglicherweise alle ihr Leben verdanken: "So einfach will ich nicht sterben", habe sie gedacht, "jetzt steigst du aus." Sie hatte eine schmale Leiter bemerkt, die von den Schienen in die Tiefe führte. Doch dann das nächste Problem: Die Sicherheitsbügel ließen sich nicht öffnen.
Die Sportstudentin schaffte es trotzdem, sich als Erste herauszuwinden. "Dann habe ich auch versucht auszusteigen", erinnerte sich Diana bewegt. "Ich hatte Todesängste. Das Feuer kam immer näher, und ich kam aus diesem Bügel nicht raus." Irgendwie schaffte sie es dann. "Eine korpulente Frau ist richtig hektisch geworden, weil sie da nicht rauskam. Meine Freundin Anja war die letzte, weil die unheimlich Probleme hatte. Das hat viel Zeit in Anspruch genommen, da die Bügel nicht aufgingen."
Beim Abstieg sei eine Frau vor Aufregung fast die Treppe hinuntergefallen. Die Mutter musste alle Konzentration aufbringen, um ihre Tochter zu beruhigen. Ständig seien brennende Teile an ihnen vorbei in die Tiefe gefallen. Doch kein Helfer kam ihnen entgegen. "Wir haben dann wenigstens gehofft, dass unten irgendjemand hilft." Doch niemand half. Stattdessen musste die Gruppe über eine Mauer klettern, da es keine Fluchtwege gab.
Mit blauen Flecken und Schürfwunden gingen die jungen Frauen nach Hause. Als sie in einem Fernsehbericht hörten, dass man in "ihrer" Gondel noch Tote vermutete, meldeten sie sich bei der Kölner Polizei. "Heute stand noch in der Zeitung, dass Mitarbeiter verletzt wurden, als sie Leute aus 18 Metern Höhe retten wollten - das macht mich wütend", sagte Diana.
Bei der Bezirksregierung Köln seien nach dem Großbrand verschiedene Beschwerden eingegangen, erklärte ein Sprecher der Bezirksregierung am Donnerstag. Zu diesem Einzelfall könne man noch keine Stellung nehmen.