Brandenburg: Explosionen in der Roten Zone - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Brandenburg Explosionen in der Roten Zone

Wieder steht in Brandenburg ein alter Truppenübungsplatz in Brand. Weil ständig Munition explodiert, kann die Feuerwehr das Gelände nicht überall betreten. Am Abend war das Feuer unter Kontrolle.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Jüterbog - Auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz bei Jüterbog in Brandenburg ist am Nachmittag ein Großbrand ausgebrochen. Auf dem Gebiet an der Bundesstraße 115 nahe der Ortschaft Markendorf standen 30 Hektar Wald und Ödland in Flammen, wie eine Sprecherin des Landratsamtes Teltow-Fläming sagte. Nach Angaben von Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) explodierte dabei auch Altmunition.

Drei Löschflugzeuge, ein Spezialhubschrauber des Bundesgrenzschutzes und 130 Feuerwehrleute mit 30 Löschfahrzeugen waren vor Ort. Evakuierungen seien nicht nötig gewesen, da das Feuer fernab von Siedlungen gewütet habe, sagte die Sprecherin. Erst am Montag war ein Großbrand auf einem anderen Übungsplatz bei Jüterbog ausgebrochen.

Schönbohm war am Abend zur Brandstelle gereist. Die Einsatzkräfte hätten das Feuer von allen vier Seiten eingekreist, sagte der Minister. Er gehe daher mit einem "sehr guten Gefühl" nach Hause.

Angesichts der extremen Trockenheit bestehe derzeit die Gefahr, dass solche Großbrände außer Kontrolle gerieten, sagte ein Ministeriumssprecher. Erschwert worden seien die Löscharbeiten dadurch, dass das Brandgebiet zur besonders munitionsbelasteten "Roten Zone" gehört. Das Katastrophenschutzzentrum in Potsdam habe die koordinierende Leitung für den Einsatz übernommen.

Der rund 11.000 Hektar große ehemalige Truppenübungsplatz "Jüterbog-Ost" war vor der Wende von der Sowjetarmee genutzt worden. Schon vor mehr als 100 Jahren übten dort kaiserliche Truppen. Nach Angaben des Landratsamtes liegen in dem Gebiet Artilleriemunition, Reifen, Schrott und vermutlich auch alte Granaten. Das Areal ist daher Sperrzone und darf auch von den Einsatzkräften nur unter besonderen Vorsichtsmaßnahmen und auf bestimmten Wegen befahren werden. Sie hätten teilweise "am Rande warten" müssen, um das Feuer zu bekämpfen, sagte die Sprecherin des Landratsamtes.

Schönbohm gab zu bedenken, ob mehr Mittel für die Ausstattung beispielsweise mit Infrarotgeräten zur Verfügung gestellt werden müssten. Am Montag war es auf einem anderen Übungsgelände westlich von Jüterbog zu einem Großbrand gekommen, bei dem Altmunition explodiert war. Rund 40 Hektar Wald standen in Flammen. Der Brand war erst nach sechs Stunden unter Kontrolle. Als Ursache wird Selbstentzündung von Schwarzpulver aus verrosteter Munition vermutet.

Am Mittwoch war ebenfalls auf einem Übungsplatz nahe Jüterbog im Raum Forst Zinna ein Brand ausgebrochen. Einzelne Glutnester flackerten nach Angaben des Landratsamtes auch am Donnerstag immer wieder auf. Am Abend waren noch zwei Löschfahrzeuge im Einsatz. Die Situation sei aber unter Kontrolle, sagte die Sprecherin.