Brandenburg: Paul Benzin sammelt Panzer - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Fotostrecke

Brandenburg: Paul Benzin sammelt Panzer

Foto: Bernd Settnik/ dpa

Paul Benzin Panzersammler mit Privat-Parcours

Seine Lieblinge sind mehrere Meter lang und bis zu 43 Tonnen schwer: Paul Benzin aus dem brandenburgischen Storkow sammelt Panzer - und hat eine ganz besondere Beziehung zu ihnen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Storkow - "Fast immer, wenn ich nach Hause komme, gehe ich in die Garage. Und dann streichle ich sie", sagt Paul Benzin. Der 53-Jährige mit der dunkelroten Latzhose und der sonnengegerbten Haut hat ein ungewöhnliches Hobby: Er sammelt Panzer. Vier Exemplare besitzt der Mann aus dem brandenburgischen Storkow - drei russische und einen amerikanischen. Dazu kommen mehrere alte Armee-Jeeps. Die meist durch Tausch erworbenen Fahrzeuge sind aus der Zeit der vierziger bis achtziger Jahre.

"Da ist eben richtig Kraft dahinter", erklärt Benzin seine Leidenschaft. Zu DDR-Zeiten hat er als Soldat bei der Nationalen Volksarmee "18 Monate lang fast nicht anderes gemacht als Panzer repariert". Nach der Wende fand Benzin dann seinen ersten Panzer in einem Wald - kaputt und zurückgelassen von den Sowjets. Er habe das Militär-Gefährt in den politischen Wirren einfach mitgenommen und sei nicht daran gehindert worden. Gemeinsam mit einem Freund hievte er den Panzer - einen T34 - auf einen Tieflader und fuhr ihn erst mal zu einem Schrottplatz.

Heute stehen die Militär-Wagen mit Ketten und Raketen-Attrappe in Benzins Garage. An der Tür hängt ein Schild mit der Aufschrift "Militärischer Sicherheitsbereich", daneben liegen Heuballen; um die Ecke sind Pferdeställe. Der 53-Jährige verdient sein Geld mit einem Reiterhof in Storkow und einem Schrottplatz in Templin.

Nach Feierabend schraubt Benzin an seinen Panzern, er repariert sie, bessert aus und streicht. In der hinteren Ecke seines großen Grundstücks hat er aus Sand einen Parcours aufgeschaufelt. "Das ist meine Panzerstrecke", sagt er. Hier habe ihm die Verkehrsbehörde erlaubt zu fahren.

Auf öffentliche Straßen darf der 53-Jährige mit seinen Kolossen nicht. Nach einem Bundesgesetz seien sie auf Straßen in erster Linie für militärische Zwecke oder den Katastrophenschutz erlaubt, heißt es im Verkehrsministerium in Potsdam. "Sonst ist eine Ausnahmegenehmigung nötig."

Vor allem am Wochenende oder an Feiertagen lässt Benzin die Motoren seiner Panzer aufheulen und kurvt mit ihnen über seine Hügel. "Das mit den Panzern ist einfach mein Ding - da fühle ich mich frei." Auf die Frage nach seinem Familiennamen muss Benzin lachen. "Der ist echt", antwortet er. "Die Panzer fahren aber mit Diesel."

wt/dpa

Mehr lesen über