Brasilien: Bohrinsel versinkt im Atlantik - DER SPIEGEL
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Brasilien Bohrinsel versinkt im Atlantik

Fünf Tage nach einer Explosion ist die größte Ölplattform der Welt in den Fluten des Atlantiks versunken. Nun droht der Küste bei Rio de Janeiro eine Ölpest.
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Mexiko-Stadt/Rio de Janeiro - Wie die staatliche Erdölgesellschaft Petrobras mitteilte, floss am Dienstag zwar zunächst kein Öl ins Meer. Experten schlossen aber nicht aus, dass die Rohre der Plattform unter Wasser brechen. In der Insel lagern 1,5 Millionen Liter Öl und 1200 Kubikmeter Diesel - sie könnten vor der Küste des brasilianischen Bundesstaates Rio de Janeiro eine riesige Umweltkatastrophe auslösen. Bei dem Unglück waren zehn Menschen getötet und einer verletzt worden.

Bis zum Montag hatten Experten aus Brasilien und den Niederlanden fieberhaft um die Rettung der erst im vorigen Jahr in Betrieb genommenen Ölförderplattform P-36 gekämpft. Sie hatten immer wieder Stickstoff und Pressluft in den Schwimmkörper der Plattform getrieben, um das Wasser hinauszupumpen. Doch alle Mühe war vergeblich.

Um 14 Uhr MEZ versank P-36 in den Fluten

Am frühen Dienstag (Ortszeit) ging ein plötzlicher Ruck durch die Insel, deren Schräglage sich von 27 auf 31 Grad vergrößerte. Die Retter zogen sich Angaben von Petrobras zufolge zurück. Acht Stunden später, um 10 Uhr Ortszeit, versank der Stolz der brasilianischen Erdölindustrie in den Fluten des Ozeans. Zuvor hatten sich alle Schiffe und Boote zurückgezogen, aus Angst, von dem Sog mit in die Tiefe gerissen zu werden. 60 Techniker, die den Untergang von der benachbarten Plattform P-23 aus beobachteten, brachen in Tränen aus.

Die P-36 war die weltweit größte Plattform ihrer Art. Sie wog 31.400 Tonnen und war so hoch wie ein 40-stöckiges Hochhaus. Sie förderte zuletzt rund 80.000 Barrell (je 159 Liter) Öl pro Tag.

Spezialisten für austretendes Öl gerüstet

Auch die widrige Wetterlage stand den Berichten zufolge allen Stabilisierungsbemühungen entgegen. Eine aus dem Südatlantik kommende Kaltfront trieb hohe Wellen auf den Havarieort zu. Dieser liegt 120 Kilometer vor der Stadt Macae im Bundesstaat Rio de Janeiro. Das Meer ist dort 1360 Meter tief. Spezialboote stehen bereit, um eventuell austretendes Öl aufzusaugen. Auch die niederländischen Spezialisten sind für etwaig austretendes Öl gerüstet. Umweltschützer befürchten aber, dass ein Ölteppich die Strände der Badeorte Buzios und Cabo Frio erreichen könnte.

Die Ursache der drei Explosionen, die am vorigen Donnerstag die Ölplattform erschütterten, war bis zum Dienstag noch immer unklar. Petrobras gab am Montag die Einsetzung einer Untersuchungskommission bekannt.

Heftige Vorwürfe gegen Petrobas

Es gab auch heftige Vorwürfe gegen Petrobras, die von Angehörigen der Arbeiter und Gewerkschaften erhoben wurden. Die Witwen einiger der Verunglückten warfen dem Staatskonzern vor, den Leistungsdruck auf die Arbeiter ohne Rücksicht auf die Sicherheit immer weiter erhöht zu haben. "Eine Ingenieur sagte meinem Mann einmal, sie müssten das Unmögliche vollbringen", sagte die Witwe Ivani dos Santos Couto der Presse. Nach Angaben der Gewerkschaft der Erdölarbeiter (FUP) kosteten Arbeitsunfällen auf Förderanlagen in den vergangenen drei Jahren 81 Männern das Leben.

WWF: Die "Titanic" unter den Ölkatastrophen

Auch die Naturschutzorganisation WWF erhob schwere Vorwürfe gegen Petrobas. Der Untergang der P-36 werde die "Titanic" unter den Ölkatastrophen sein", teilte der WWF Brasilien mit. Einige Petrobas-Inseln liefen völlig ohne die verlangten Umweltlizenzen.

Von Klaus Blume, dpa

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