Brasilien Bus-Geiseldrama in Rio blutig beendet
Rio de Janeiro - Wie in den Liveübertragungen örtlicher Fernsehsender zu sehen war, schossen Polizisten nach Einbruch der Dunkelheit aus nächster Nähe auf den bewaffneten Geiselnehmer, als dieser durch die Vordertür mit einer Geisel aus dem Bus ausgestiegen war. Es wurde vermutet, dass der tödlich verletzte Mann noch auf die vor ihm stehende Geisel schoss. Wie genau das junge Mädchen ums Leben kam, teilte die Polizei zunächst aber nicht mit.
Sofort nach Ende des Geiseldramas war eine Menschenmenge auf den Bus zugestürmt, um den Täter zu lynchen. Die Polizei konnte den Mann aber wegfahren. Eine andere zuvor vom Täter angeschossene weibliche Geisel hat entgegen ersten Medienvermutungen überlebt.
Das Geiseldrama, das ganz Brasilien in Atem hielt und Millionen Menschen vor den TV-Geräten fesselte, bewegte unterdessen auch Staatspräsident Fernando Henrique Cardoso in Brasilia zu einer spontanen Fernsehansprache. Er warnte dabei vor einer politischen Ausschlachtung der Ereignisse, "damit man solche wirklich erschreckende Geschehnisse (in Zukunft) energisch" verhindern könne.
Die Tat hatte den amtlichen Angaben zufolge am frühen Nachmittag begonnen, als zwei Busräuber von einer Polizeistreife auf frischer Tat ertappt wurden. Das Fahrzeug wurde binnen Minuten von Polizeieinheiten in einer filmreifen Aktion umzingelt. Vier Geiseln, darunter der mutmaßliche Komplize des Geiselnehmers, wurden danach im Laufe der Zeit nach und nach freigelassen. Fünf weitere Bus-Insassinnen, darunter das angeschossene junge Mädchen, mussten jedoch bis zum Eingreifen der Polizei im Bus ausharren.
Der TV-Sender Globonews berichtete derweil unter Berufung auf Augenzeugen, der Anführer der Geiselnehmer, ein dunkelhäutiger Mann mittleren Alters, "der wie ein Slumbewohner" aussehe, habe offenbar unter dem Einfluss von Drogen gestanden. In den TV-Bildern wirkte er nervös und zu allem entschlossen. "Habe nichts zu verlieren, werde alle hier töten", schrie er mehrmals.