Brasilien Mit Waffengewalt gegen "Oben-ohne"
Rio de Janeiro - Eine 34-Jährige ist in Recreio, einem der Strände im Westen Rio de Janeiros von 20 mit Maschinengewehren bewaffneten Polizisten festgenommen worden, weil sie sich weigerte, ihr Bikini-Oberteil anzuziehen. Rosimere Moura und ihr Mann wurden vor Dutzenden von Schaulustigen und laufenden TV-Kameras abgeführt.
"Die Polizei tut nur das, was das Gesetz vorschreibt", rechtfertigte Sicherheitssekretär Josias Quintal die vor wenigen Tagen mit dem Beginn der Sommer- und Strandsaison in Rio gestarteten Aktionen. Quintal reagierte damit auf empörte Äußerungen von Medien, Politikern und Cariocas, den Einwohnern Rios, auf die brutale Festnahme.
"Die Aktion war doch sehr übertrieben", meinte daraufhin der Gouverneur des Bundeslandes Rio, Anthony Garotinho. Er habe keine Anweisung gegeben, das Sonnen- und Meer-Baden ohne Bikini-Oberteil mit Waffengewalt zu bekämpfen. Er persönlich wolle das Nacktbaden zwar nicht bekämpfen, schließlich "guckt nur hin, wer will", meinte Garotinho. Gegen die Festnahmen jener Menschen, die das Gesetz missachten und ohne vollständiger Badekleidung zum Strand gingen, sei aber wohl nichts auszurichten.
Der Grund: Artikel 233 des brasilianischen Strafgesetzbuches, der sich mit "obszönen Handlungen" beschäftigt, lässt viel Raum für Interpretationen und sieht Freiheitsstrafen von drei bis zu zwölf Monaten vor. Auf dieser Basis waren in den vergangenen Jahren lediglich völlig nackt badende Strandbesucher - vor allem Europäer - ohne viel Aufsehen gemaßregelt worden. Die wenigen Frauen, die "Oben-ohne" badeten, wurden bislang weitgehend toleriert.
Als Lösung will der Umwelt-Sekretär Mauricio Lobo eine Nacktbade-Zone einrichten. "Rio hat doch über 60 Kilometer Strände, da werden wir doch ein Plätzchen für jene Minderheit finden, die nackt baden will", sagte er.