Brauchen Kinder Monster? - DER SPIEGEL
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SACHBUCH Brauchen Kinder Monster?

• aus DER SPIEGEL 48/2003
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Computerspiele, die das Töten möglichst vieler Feinde belohnen, sind gefährlich. Spätestens seit den Schulmassakern von Littleton und Erfurt glauben verunsicherte Eltern das. Sie sind überzeugt, dass sie ihren Kindern einen Gefallen tun, wenn sie ihnen das Spielen mit den so genannten Ego-Shootern verbieten, denn die Täter von Littleton und Erfurt verbrachten viele Stunden mit diesen Programmen. In seinem Buch »Kinder brauchen Monster« bestreitet der amerikanische Medienkritiker Gerard Jones die oft behauptete Verbindung zwischen Killerspielen und jugendlichen Mördern. Jones hält diese Spiele für harmlose Unterhaltung, und ihre Verteufelung sei auf vorschnelle Urteile des »psychologischen Establishments« zurückzuführen. Zu oft werde über Kinder geurteilt, statt mit ihnen geredet, zu oft werde verdammt, ohne selbst je gespielt zu haben. Jones spielte selbst, sprach mit Jugendlichen, mit Psychiatern und kommt schließlich zu dem Schluss, dass das Ausleben von Allmachtsphantasien am Computer ein normaler und wünschenswerter Bestandteil der psychologischen Entwicklung eines Kindes ist. Die wahren Ursachen für die 15 Schulmassaker, die vor und nach Littleton in den USA geschahen, glaubt Jones ebenfalls ausgemacht zu haben. Schuld seien zerrüttete Familien. Und aggressive Rockmusik. Sie habe in den Leben der meisten jugendlichen Massenmörder eine weitaus größere Rolle gespielt als die Ego-Shooter.

Gerard Jones: »Kinder brauchen Monster. Vom Umgang mitGewaltphantasien«. Ullstein Verlag, München; 368 Seiten; 22 Euro.

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