Petition gegen Toys'R'Us: Das Böse im Spielzeugregal
"Breaking Bad"-Actionfiguren Mutter kämpft gegen Drogen-Spielzeug bei Toys'R'Us
Miami/Hamburg - Absolut lebensecht sieht Walter White als Actionfigur aus: Der grimmige Blick der Hauptperson aus "Breaking Bad" ist dem Hersteller ebenso gut gelungen wie der Revolver und die leicht hängenden Schultern in der Übergangsjacke. Jedem Fan der US-Erfolgsserie könnte man mit so einem Püppchen wohl eine Freude machen - trotzdem zieht jetzt eine Mutter aus Florida gegen die Actionfiguren zu Felde.
Das liegt nicht etwa daran, dass Susan Schrivjer die Serie um die Wandlung eines Chemielehrers zum Drogenboss rundweg ablehnen würde. Tatsächlich bezeichnet sie sich ausdrücklich als Fan. Ihr geht es vielmehr um den Vertriebskanal: Denn zumindest bis Montag standen die ziemlich erwachsenen Actionfiguren in den Regalen des US-Spielzeuggiganten Toys'R'Us.
Wie unter anderem CNN berichtet, startete Schrivjer deshalb Anfang Oktober eine Onlinepetition , um das Unternehmen dazu zu bringen, die Produkte aus dem Sortiment zu nehmen. Knapp 6000 Menschen schlossen sich bis Dienstagmittag der Initiative bei "Change.org" an . "Toys'R'Us ist weltbekannt für seine große Auswahl an Spielzeug für Kinder aller Altersgruppen", schreibt Schrivjer im Erklärungstext. "Aber die Entscheidung, eine Breaking-Bad-Puppe mit einer Tasche voll Bargeld und einer Tüte Crystal Meth ins Sortiment aufzunehmen, ist eine gefährliche Abweichung von den familienorientierten Werten des Unternehmens."
Die Unterstützer ihrer Onlinepetition sehen das ähnlich. "Es ist einfach krank, dass eine Firma Kinderspielzeug herstellt, mit dem die Herstellung von Crystal Meth glorifiziert wird", schreibt einer. "Es ist ebenso krank, diese Produkte zu verkaufen."
Bryan Cranston meldet sich zu Wort
Als Actionfiguren gibt es laut CNN zwei Versionen von Walter White (in der Serie gespielt von Bryan Cranston), sowie eine weitere von Whites Komplizen Jesse Pinkman (Aaron Paul). In den deutschen Toys'R'Us-Filialen wird das "Breaking Bad"-Spielzeug allerdings nicht verkauft, wie eine Sprecherin des Unternehmens SPIEGEL ONLINE mitteilte.
Auf den Rummel um sein Alter Ego aus Kunststoff reagierte Schauspieler Bryan Cranston inzwischen per Twitter. "Mutter aus Florida kämpft gegen 'Breaking Bad'-Actionfiguren bei Toys'R'Us." Ich bin so sauer, ich verbrenne aus Protest meine 'Mutter aus Florida'-Actionfigur!", witzelte er.
Toys'R'Us selbst indes findet den Sachverhalt offenbar weniger zum Lachen - gegenüber einem lokalen Partnersender von CNN gab sich die Firma schmallippig. Auf der Verpackung der fraglichen Produkte sei klar gekennzeichnet, dass die Figuren nicht für Kinder unter 15 Jahren geeignet seien, heißt es in dem Statement. Zudem würden die Puppen in einem gesonderten Bereich für Erwachsenenspielzeug angeboten.
Es ist eine Verteidigungstaktik, die der Firma kaum helfen dürfte. "Wirklich, Toys'R'Us, diese Nummer könnt ihr nicht einfach aussitzen", heißt es in einem bitterbösen Kommentar im "Time"-Magazin . "Holt den Truck, packt die Actionfiguren drauf und bringt sie zu einer Mülldeponie!"
Womöglich ist das Unternehmen bereits dabei, etwas ganz Ähnliches zu tun. So berichtet der Lokalsender WFTV, einige Toys'R'Us-Filialen in Florida hätten bereits freiwillig die umstrittenen Produkte entfernt . Im US-Onlinestore der Handelskette sind die Puppen ebenfalls nicht mehr zu finden. Eine Stellungnahme dazu gab das Unternehmen bislang nicht ab.