Bretonische Küste Öltanker in zwei Teile zerbrochen
Brest - Die 26-köpfige Besatzung sei unter schwierigsten Umständen per Hubschrauber gerettet worden, teilte die zuständige Seepräfektur in Brest mit. Beide Teile des aus Malta stammenden Tankers, dessen Namen mit "Erika" angegeben wurde, trieben vorerst auf der Wasseroberfläche. Es sollte versucht werden, sie auf hohe See zu schleppen, um eine erneute Öl-Katastrophe an der bretonischen Küste zu vermeiden.
Neben der französischen Marine war auch die britische Küstenwache an der Aktion beteiligt. "Allem Anschein nach gibt es jetzt für die Franzosen ein Problem der Verschmutzung", sagte ein Angehöriger der britischen Küstenwache. Aus dem zerbrochenen Schiff fließt nach Rundfunkangaben Treibstoff aus. Heftiger Westwind der Stärke acht bis neun drohte das auslaufende Öl gegen die bretonische Küste zu drängen.
Der Kapitän des 1975 gebauten, knapp 20.000 Brutto-Registertonnen (BRT) großen Schiffes hatte bereits am Vortag über ernste Probleme an Bord berichtet. Der 180 Meter lange Tanker, der auf dem Weg von Dünkirchen nach Livorno (Italien) war, brach dann am Morgen auseinander. Vor der bretonischen Atlantikküste und in weiten Teilen Frankreichs tobte in der Nacht zu Sonntag ein Sturm mit Spitzengeschwindigkeiten um die 120 Stundenkilometer.
Das Tankerunglück vor der bretonisches Küste rief bei den Bewohnern der von Fischfang und Tourismus lebenden Bevölkerung in der westfranzösischen Region die Ölpest vom 16. März 1978 in Erinnerung. Damals hatte eine Havarie des 334 Meter langen Tankers "Amoco Cadiz" der Bretagne die bisher schwerste Öl-Katastrophe Europas beschert. 220.000 Tonnen leichtes Rohöl ergossen sich ins Meer, 360 Kilometer Küste wurden verdreckt. Das Öl verkleisterte zehntausenden von Seevögeln das Gefieder. Die Küstenbewohner waren wochenlang mit Schaufeln und Eimern im Einsatz, um das Öl zu beseitigen.