Brasiliens Präsident Lula da Silva, Chinas Staatschef Xi, Südafrikas Präsident Ramaphosa, Indiens Premier Modi und Russlands Außenminister Lawrow
Foto: Alet Pretorius / APMonatelang schien das wichtigste Thema vor dem Gipfel der Brics-Staaten, ob Wladimir Putin es wagen würde, die Konferenz in Johannesburg zu besuchen. Schließlich hätte der russische Präsident fürchten müssen, aufgrund eines vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag ausgestellten Haftbefehls bei der Einreise nach Südafrika festgenommen zu werden. Die Staats- oder Regierungschefs von China, Indien, Brasilien und Südafrika blieben jedoch erwartungsgemäß unter sich, Putin nahm an den Gesprächen über engere, vor allem wirtschaftliche Zusammenarbeit per Video teil.
Am letzten der drei Tage bekam das Treffen indes noch eine große historische Bedeutung: In seiner Abschlussrede lud Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa sechs Nationen »als ständige Mitglieder« der Brics-Runde ein: Ägypten, Argentinien, Äthiopien, Iran, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate. Chinas Werben um eine Erweiterung des Bündnisses hatte also Erfolg, skeptische Länder wie Indien und Brasilien willigten ein.
Zum 1. Januar 2024 wird sich die Zahl der Brics-Staaten also mehr als verdoppeln, extrem reiche und extrem autoritäre Nationen werden die Statik der Organisation massiv verändern. Von einer »multipolaren Weltordnung« war bereits in Johannesburg die Rede, von einem Gegengewicht zu westlich dominierten Institutionen. Und in der Tat hat der neue Klub der elf Brics-Mitglieder mit 31,6 Prozent einen knapp höheren Anteil am weltweiten Bruttoinlandsprodukt als die G7-Staaten.