Als wäre er von ihrem plötzlichen Auftauchen überrascht und müsste nun schnell Hilfe herbeirufen, so wirkt der Mann, der im Hintergrund aus der Containertür auf die überlebensgroße, aber täuschend echt modellierte Taikonautin blickt. Die sieht aus, als wäre sie aus dem All hier unsanft auf dem Pflaster aufgeschlagen. Der Anblick des futuristischen Kunstwerks dürfte aber eigentlich nicht verwundern – zumindest nicht in der Künstlerkolonie Songzhuang nahe Peking. Die Skulptur der Künstlerin Wan Ting ist nur eine von vielen, die Besucher eines Festivals in dem östlichen Vorort der chinesischen Hauptstadt unter freiem Himmel betrachten können.
Tausende Kreative sollen sich in Songzhuang angesiedelt haben; auf einer staatlichen Website wird das mutmaßlich größte Künstlerviertel Pekings als »Legende der zeitgenössischen chinesischen Kunst« bezeichnet. In den vergangenen Jahren war die Gemeinde jedoch von Räumungen bedroht – im einst bäuerlichen Umland Pekings soll Verwaltung angesiedelt werden, am Rand der bereits jetzt riesigen Metropole werden immer neue Flächen benötigt. Die abgestürzte Taikonautin kann wohl auch als Symbol für die atemberaubende und manchmal ermüdende Entwicklung der Volksrepublik interpretiert werden, die seit 2022 eine eigene Weltraumstation betreibt und längst mit anderen Großmächten um die Vorherrschaft im All konkurriert.