Bruchlandung: "Auf einmal war die Tragfläche weg" - DER SPIEGEL
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Bruchlandung "Auf einmal war die Tragfläche weg"

Als die Maschine endlich in Toronto aufsetzte, applaudierten die gestressten Passagiere erleichtert. Die letzten Minuten waren reichlich ungemütlich gewesen, der Kapitän hatte durchstarten müssen, der Jet tanzte in den Windböen. Doch wenige Sekunden nach der Landung brach an Bord das Chaos aus.
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Toronto - "Alles ging so schnell - es war ein bisschen wie im Film", berichtet Gwen Dunlop, die das Unglück wie die anderen 296 Passagiere und die 12 Besatzungsmitglieder wie durch ein Wunder überlebt. "Auf einmal war die Tragfläche weg. Die Sauerstoffmasken kamen nicht runter, das Flugzeug füllte sich mit Rauch." Laut Air France gibt es nur Leichtverletzte, als die Reisenden das brennende Flugzeug verlassen.

Eine Flugbegleiterin habe versucht, die Passagiere zu beruhigen und gesagt, dass alles okay sei, berichtet Dunlop weiter: "Und dabei stand das Flugzeug in Flammen, und Rauch drang ein." Die Besatzung sei offenbar nicht gut vorbereitet gewesen, sagt die Gerettete. Einige Passagiere hätten den Jet über Notrutschen verlassen, andere seien einfach gesprungen.

Der Airbus schlittert bei seiner Bruchlandung in einen Graben nahe des Highways 401, der meistbefahrenen Autobahn in Kanada. Im strömenden Regen krabbeln die Passagiere den Graben hinauf, suchen Deckung unter einer nahen Brücke. Sie haben Angst, dass der vierstrahlige Jet explodiert. "Wir versuchten alle, den Hügel raufzukommen. Alles war matschig und wir haben unsere Schuhe verloren. Wir sind einfach nur gekrabbelt", berichtet Dunlop. Es seien auch Kinder dabei gewesen.

Autos bleiben stehen, um Verunglückte aufzunehmen. Manche Fahrer bieten den Gestrandeten einen Regenschirm an. Viele Reisende haben Kleidungsstücke verloren.

Der Pilot bricht den Anflug ab

Der erste Hinweis, dass etwas schief laufen könnte, kommt ein paar Minuten vor der Landung, als der erfahrene 57 Jahre alte Pilot wegen heftigen Winds, Regens und Blitzen einen ersten Landeanflug abbricht. "Das Wetter ist zu schlecht, deshalb startet der Kapitän durch", habe eine Flugbegleiterin gesagt, berichtet der Passagier Ahmed Alawata. Dann kommt die Dunkelheit.

Eine Minute später, beim zweiten Landeanflug auf Pearson International, gehen die Lichter aus, erinnert sich Olivier Dubois. "Kurz bevor wir den Boden berührten, war im Flugzeug alles dunkel, es gab kein Licht mehr, nichts." Als die Räder auf der Landebahn aufsetzen, brechen die von der Dunkelheit gestressten Passagiere in Beifall aus.

"Vielleicht zehn Sekunden später begann alles auseinander zu fallen. Taschen flogen umher", berichtet der 19-jährige College-Student Eddi Ho aus Südafrika. "Eine Durchsage wurde gemacht. Der Kapitän sagte: 'Alles ist in Ordnung, bleiben Sie ruhig in Ihren Sitzen.' Das ist eine ziemlich verrückte Durchsage, wenn Sie mich fragen." Zunächst seien die Leute ruhig geblieben und hätten sich in einer Reihe aufgestellt, berichtet Ho weiter.

Panik bricht aus

Aber als im Heck des Jets Feuer ausbrach, "stolperten die Leute übereinander weg, kletterten über die Sitze, um zum Ausgang zu kommen". Ein Flugbegleiter habe ihn aufgefordert, aus der Vordertür ohne Notrutsche dreieinhalb Meter in die Tiefe zu springen, sagt Ho. Er läuft zu einer zweiten Tür. Deren Notrutsche ist zwar beschädigt, aber der junge Mann nimmt sie dennoch. "Ich sprang und fiel auf einige Leute", schildert er seine dramatische Rettung. "Einige Menschen haben sich Arme oder Beine gebrochen."

"Alle waren in Panik", sagt Olivier Dubois, der im hinteren Teil der Maschine saß. "Jeder hatte riesige Angst, dass der Airbus explodieren könnte." Einige Passagiere kritisieren das Verhalten der Besatzung, die nicht genug auf die Reisenden eingegangen sei. Andere berichten, dass die Crew beruhigend auf die Leute eingewirkt und ihren Job offenbar gut gemacht habe. Die 15 Jahre alte Lauren Langille ist mit einer Austauschschülerin auf dem Rückweg aus Frankreich. Die Flugbegleiter hätten sich ruhig und geistesgegenwärtig verhalten, sagt Langille.

"Sie haben uns angewiesen, das Flugzeug zu verlassen. Es gab viel Panik, aber die Flugbegleiter haben uns wirklich gut beruhigt." Sie ist dankbar, mit dem Leben davon gekommen zu sein. "Ich war so froh, all die Leute zu sehen, die sich gegenseitig halfen", berichtet die 15-Jährige. "Ich genieße das Leben jetzt viel mehr und ich werde nicht mehr so viel für selbstverständlich halten."

Carolyn Thompson und Rebecca Cook, AP

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