Bruno: Streit um das Fell des Bären - DER SPIEGEL
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Bruno Streit um das Fell des Bären

Bayerns Umweltminister gerät immer mehr unter Druck. Nach Rücktrittsforderungen und  Strafanzeigen wegen des Braunbär-Abschusses muss er sich nun auch noch mit dem Bürgermeister von Schliersee auseinander setzen. Dieser will den Münchnern den toten Bruno abspenstig machen.
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München - Geht es nach dem CSU-Mann Werner Schnappauf, ist der Braunbär künftig ausgestopft im Münchner Museum "Mensch und Natur" zu sehen. Der Erste Bürgermeister von Schliersee, Toni Scherer (parteilos), will hingegen Brunos "letzten Willen" respektieren: Dieser sei freiwillig in das oberbayerische Rotwandgebiet gekommen - "hier wollte der Bär sein".

Der Bär war gestern Morgen auf dem Gebiet von Schliersees Nachbargemeinde Bayrischzell erschossen worden. Deshalb solle Bruno seine letzte Ruhe im örtlichen Bauernhofmuseum des ehemaligen Ski-Rennläufers Markus Wasmeier finden. Scherer zufolge soll der Bär in einer natürlichen Umgebung bleiben "und nicht in die Stadt kommen".

Die SPD erneuerte heute ihre Rücktrittsforderung und warf Schnappauf illegales Vorgehen bis zum Verfassungsbruch vor. "Wir schämen uns für Bayern", erklärte SPD-Fraktionschef Franz Maget. Die SPD erwägt zudem eine Strafanzeige gegen den Minister. Nach Ansicht von Maget verstößt die Abschusserlaubnis womöglich gegen die bayerische Verfassung, das Washingtoner Artenschutzabkommen, das Bundesartenschutzgesetz sowie das Bundestierschutzgesetz.

Die Münchner Staatsanwaltschaft prüft derzeit bereits mehrere Strafanzeigen gegen Schnappauf. Indes erhielt der Minister Rückendeckung vom bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber: "Die Rücktrittsforderungen der SPD sind politisch unseriös und durch nichts gerechtfertigt", sagte der CSU-Chef. Schnappauf sei "ein hervorragender Umweltminister".

Jägerverband distanziert sich von Brunos Abschuss

Der Deutsche Jagdschutz-Verband wiederum gab den Behörden die Schuld für den Abschuss. Der Braunbär sei von einem "staatlich beauftragten Sicherheitsteam des Landratsamtes Miesbach" getötet worden, erklärte der Verband. Der Jäger-Präsident Jochen Borchert sagte zudem: "Die Jägerschaft hat sich frühzeitig vom Abschuss eines geschützten Braunbären distanziert, der in Deutschland überhaupt nicht gejagt werden darf". Die Jäger stünden einer natürlichen Zuwanderung der drei Großraubtiere Bär, Wolf und Luchs nach Deutschland hingegen grundsätzlich positiv gegenüber.

Auch von seinem italienischen Kollegen muss Schnappauf sich Kritik gefallen lassen. Umweltminister Alfonso Pecoraro Scanio erklärte laut einer Meldung der Nachrichtenagentur Apcom in Luxemburg, er bedauere den Abschuss des Tieres. Diese geschützte Art sei in Italien mit Hilfe eines EU-Programms wieder angesiedelt worden. Die italienische Regierung hätte es sich nach den Worten des Ministers gewünscht, dass die Rettung des Bären über die Landesgrenzen hinweg besser koordiniert worden wäre.

Bedauern über Brunos Tod äußerte auch Christian Gareis, ein Wanderer, der den Bär am Wochenende erblickte und ihm gemeinsam mit einem Freund folgte. "Wir waren nur 200 Meter entfernt von ihm", erzählte der 38-Jährige  SPIEGEL ONLINE. "Er schien genau zu wissen, wo er hinwollte." Auch Gareis macht dem Umweltministerium schwere Vorwürfe. Alle zehn Minuten habe er die Polizei angerufen. "Nach anderhalb Stunden hat man mir erzählt, dass der Minister nichts zu unternehmen gedenke. In dieser Zeit hätte man ihn schon ein Dutzend Mal betäuben können. Es wäre so leicht gewesen, ihn lebend zu fangen."

str/ddp/AP/dpa