Buckingham-Palast Locken und Liebesbriefe im Angebot
London - Nach einem Bericht der "Sunday Times" wurde eine Brieftasche von Prinz Charles mit königlichem Wappen und dem Motto "Ich diene" von seinem Gärtner für 250 Pfund (400 Euro) verkauft. Eine US-Sammlerin sagte der "Mail on Sunday", ihr seien von einem Mittelsmann sogar schon einmal abgeschnittene Fingernägel von Prinzessin Diana angeboten worden. "Nach dem Tod von Diana ging es richtig los. Die Geier kreisten. Die Schecks, die ich ausschrieb, waren Schwindel erregend", sagte Alicia Carroll der "Mail"
Zu den häufig in Zeitungsinseraten angebotenen Memorabilien gehörten laut Carroll unter anderem Dianas Haarlocken, ihre Briefe und Schmuck. "Die Königsfamilie schwieg zu diesem Handel. Nach all dem, was jetzt herausgekommen ist, fragt man sich, ob sie etwas zu verheimlichen hatte", sagte Carroll, die in Beverly Hills die Andenken verkauft. Die Bediensteten hätten systematisch gestohlen.
Sogar dem engsten Vertrauten von Prinz Charles, Michael Fawcett, ist in der Presse vorgeworfen worden, Geschenke, die Charles nicht haben wollte, mit Profit weiter verkauft zu haben. Fawcett hat die Vorwürfe bestritten. Sie sollen aber vom Königshaus untersucht werden. Laut "Mail" hatte der Charles-Vertraute den Schlüssel zu einem geheimen Raum, in dem die Geschenke lagen. Sie wurden häufig auch als Dankesgaben an Palastangestellte verteilt.
Auch bei der Vergabe königlicher Insignien an Unternehmen soll Fawcett laut "Observer" eine dubiose Rolle gespielt haben. So sei einem führenden Chemiekonzern das königliche Markenzeichen als Gegenleistung für die jährlich kostenlose Lieferung von Charles' Lieblings-Mundwasser verliehen worden, berichtete die Zeitung.
Nach einer in der "Sunday Times" veröffentlichten Umfrage sind 90 Prozent der Briten der Auffassung, dass die jüngsten Skandale um das Königshaus der Monarchie geschadet haben. 67 Prozent glauben nach der Umfrage des Instituts YouGov auch, dass Königin Elizabeth II. in den Burrell-Prozess eingriff, um peinliche Erhüllungen zu verhindern. Dennoch gebe es eine breite Unterstützung für die Monarchie, vorausgesetzt, dass sie sich reformiert, heißt es in der Umfrage.
Burrell, der nach einer Intervention der Queen vor zwei Wochen überraschend von der Anklage des Diebstahls von Diana-Andenken freigesprochen worden war, wurde in seinem Heimatort wie ein Held empfangen, berichtete die BBC. Im Pub "Farndon Arms" feierte er mit Familie und Freunden die Einstellung des Prozesses.
Der Butler war am Samstag von einer Interview-Tour durch die USA zurückgekehrt. Er will sich nach seinen Bekundungen jetzt wieder vermehrt um seinen Blumenladen in Farndon kümmern. Ob ihm das gelingt, ist jedoch fraglich. Denn bei einem Presseauftritt vor seinem stattlichen Haus wurde der inzwischen berühmte Sohn eines Lastwagenfahrers nicht nur von Bodyguards bewacht, auch Reporter des "Daily Mirror" wichen nicht von seiner Seite. Burrell hatte seine Geschichte für umgerechnet 480 000 Euro an die Boulevardzeitung verkauft. "Ich glaube nicht, dass mein Leben jemals wieder normal wird", sagte Burrell vor der Presse in Farndon (Cheshire).