Bundespresseball Eheglück - Fischer enttäuschte "Bild"
Die bis zu 900 Mark teuren Karten waren seit Wochen ausverkauft, in den Berliner Nobelboutiquen wurden seit Tagen die Regale nach Pailletten, Samt und Seide durchwühlt, in den Salons der Top-Friseure war am gestrigen Freitag kein Stuhl mehr frei. Berlin machte sich schön für den Höhepunkt der diesjährigen Ballsaison: den Bundespresseball, der die Hauptstadt nun schon zum zweiten Mal in Aufruhr versetzte.
2400 Gäste vergnügten sich im Hotel Intercontinental, darunter 100 Chefredakteure und Geschäftsführer, 14 Herausgeber und rund 80 Manager aus der Wirtschaft. "Der Bundespresseball ist die eleganteste Ballveranstaltung Deutschlands geworden", sagte Organisator Alfred Gertler, Vorstandsmitglied der Bundespressekonferenz.
Das darf man glauben, hat die lange Ballnacht doch rund 1,8 Millionen Mark verschlungen. Allein die aufwendige Dekoration aus drei Kilometer Stoff, über 1500 Kerzen und 3000 roten Rosen, dazu Fabelwesen wie Einhörner und Glücksdrachen, Korallenlandschaften und Füllhörner ließ man sich eine Viertelmillion kosten.
Die Schlacht am Buffet...
Apropos verschlingen: Mehr als 5000 Austern, 3000 Hummer, 6000 Sushi, 50 Kilo Gänsestopfleber und 2000 Currywürste wanderten in die ausgehungerten Mägen der Gäste. Durch ein als "Landebahn" dekoriertes Zelt traten unter anderem in die Festsäle: SPD-Generalsekretär Franz Müntefering, Daimer-Crysler-Vorstandsmitglied Manfred Gentz, Rainer Brüderle (FDP), Justizministerin Herta Däubler-Gmelin, Sabine Christiansen, Maybritt Illner, Johannes B. Kerner und Ulrich Deppendorf.
Die nächtlichen Absichten der Ballbesucher waren jedoch unterschiedlich: Frauke Ludowig war gekommen, "um neue Menschen kennenzulernen", Alt-Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) wollte mit Frau Barbara das Tanzbein schwingen und Komiker Otto Waalkes und DJ Bobo sollten das Musikprogramm bestreiten.
Einzig Friedrich Merz schien in politischer Mission unterwegs: "Meine Fliege ist schwarz wie die Seele und Gesinnung des Trägers", verkündete der CDU/CSU-Fraktionschef. Vielleicht ist Merz ja noch mit RTL-Moderator Günther Jauch einig geworden: Der suchte nämlich einen Spitzenpolitiker für seine Show "Wer wird Millionär?". Jauch hat allerdings etwas gegen Fliegen. Als Tanzmuffel war er ganz bewusst nur mit Krawatte zum Ball erschienen.
Wie? Doch mit Nicola?
Zwischen all den Prominenten aus Politik, Wirtschaft und Medien fehlte nur der Kanzler. Gerhard Schröder musste wegen einer Reise nach Zagreb absagen, und so übernahm Außenminister Joschka Fischer seine gesellschaftlichen Pflichten. Fischer wurde mit Neugier erwartet: In der Gerüchteküche brodelte es seit Wochen, seine Ehe mit der Journalistin Nicola Jeske sei nach rund zwei Jahren am Ende und er werde seine Neue auf dem Presseball vorführen.
Als er dann mit einstündiger Verspätung eintraf, kam er zur großen Überraschung aller händchenhaltend mit seiner Frau und schenkte den staunenden Pressefotografen ein Gewinnerlächeln. Doch die Gäste blieben misstrauisch: "Wir sitzen am Nebentisch von Joschka Fischer", erzählte Ex-GZSZ-Star Andreas Elzholz, "deshalb passe ich auf meine Freundin Denise besonders auf."
Was für ein Glück: Mehdorn gewann Bahnreise
Auch ein anderer war an diesem Abend auf der Gewinnerseite: Hartmut Mehdorn. Der Bahnchef gewann bei der Tombola einen der Hauptpreise - eine Bahnreise.
...und verzichtete großzügig
Doch da der Gewinn von seinem eigenen Unternehmen gestiftet worden war, entschied die Glücksfee, ZDF-Moderatorin Petra Gerster, das die Zwölf-Tage-Tour mit der südafrikanischen "Pride of Africa" erneut verlost werden sollte. Mehdorn nahm seinen Verlust gelassen - schwante ihm vielleicht berufshalber, dass das große Los gerade darin besteht, nicht mit der Bahn fahren zu müssen?
Begehrt waren die Plätze am Tisch des Ehrengastes, Bundespräsident Johannes Rau und Frau Christina. Hier nahmen die Verlegerin Friede Springer, ihr Kollege Heinz-Heinrich Bauer und der Chefredakteur der "Berliner Zeitung", Martin Süskind, Platz. Rau führte die Vorsitzende der Bundespressekonferenz, Tissy Bruns, für den Eröffnungswalzer aufs Parkett.
Eine etwas schunkelige Angelegenheit, doch Bruns fand es "sehr schön". Rau gab allerdings zu, eigentlich kein Ballmensch zu sein. Er freue sich aber auf "lockere Gespräche an der Bierbar".
Raucher Henkel tanzt nur im "Notfall"
So sah es auch BDI-Chef Hans-Olaf Henkel: "Ich freue mich auf eine schöne Zigarre. Tanzen werde ich nur im Notfall." Amüsiert haben sich die Gäste des Presseballs allesamt. "Meine Traumreise führt nach Berlin", erklärte der Schweizer Botschafter Thomas, der mit seiner Frau Shawne heftig in die Schlagzeilen und so ins Kreuzfeuer seines Landes geraten ist. Und Shawne fügte hinzu: "Wir kommen nächstes Jahr wieder als Berliner zum Bundespresseball - wenn man uns einlädt."