Bundespresseball Kanzlerin Merkel tanzt nicht mit
Berlin - Bundespräsident Horst Köhler und die Frau des Vorsitzenden der Bundespressekonferenz, Ursula Gößling, werden den Ball, der unter dem Motto "Goldene Träume" steht, traditionell mit einem Walzer eröffnen. Merkel habe einen vollen Terminkalender, inklusive ihrer Regierungserklärung am kommenden Mittwoch, und könne deswegen nicht teilnehmen, lautete die offizielle Begründung der Veranstalter heute.
Merkels Ehemann Joachim Sauer gilt als extrem öffentlichkeitsscheu. Der Chemie-Professor hatte schon vor der Wahl seiner Frau deutlich gemacht, dass er nicht vorhabe, ein öffentliches Leben als Ehemann der Kanzlerin zu führen. Neben Angela Merkel lässt er sich nur bei den Festspielen in Bayreuth oder Salzburg sehen. Die Organisatoren nehmen es gelassen. Dann hoffe man eben, das Paar im nächsten Jahr beim Bundespresseball begrüßen zu können, sagte Thomas Wittke, Mitglied des Vorstands der Bundespressekonferenz.
Dafür werden sich mit Michael Glos, Frank-Walter Steinmeier, Franz Müntefering, Peer Steinbrück, Wolfgang Tiefensee und Brigitte Zypries Mitglieder des neuen Kabinetts präsentieren. Und es könne durchaus sein, dass der eine oder die andere noch spontan komme, sagte Wittke. Erwartet werden auch Spitzenpolitiker wie Peter Müller, Klaus Wowereit, Claudia Roth, Reinhard Bütikofer und Guido Westerwelle. Darüber hinaus wollen die Moderatoren Ulrich Wickert, Anne Will, Marietta Slomka und Maybrit Illner kommen.
Für Schlagzeilen sorgten jedoch zunächst einmal die, die nicht kommen: Fehlen wird auch der neue SPD-Chef Matthias Platzeck - aus ähnlichen Gründen wie Merkel, erklärte Wittke. Dass Merkels Amtsvorgänger Gerhard Schröder nicht dabei sein wird, war eigentlich klar, gilt er doch als Tanzmuffel erster Güte. Und auf die legendären, griesgrämigen Auftritte von Joschka Fischer wird man künftig wohl auch verzichten müssen.
Auf einen Star wie Dieter Bohlen, der vor zwei Jahren allen die Show stahl, habe man dieses Mal bewusst verzichtet. "Das ist der Ball der Medien, der Wirtschaft und der Politik", sagte Organisator Alfred Gertler. Man habe die Erfahrung gemacht, dass sich dabei die Prominenz aus dem Show-Business nicht ganz so wohl fühle. Im Programm sind zwei Starauftritte vorgesehen. So sollen Stefan Raabs Casting-Entdeckung Max Mutzke und Max Raabe mit seinem Palastorchester für Stimmung sorgen.
Raabe sagte, er erwarte eine großartige Stimmung. "Alle, die da sind, haben ja eine wilde Zeit hinter sich." Er vermute, dass man die abgeschlossenen Koalitionsverhandlungen zum Anlass nehme, "tüchtig zu feiern". Sein Orchester werde dafür sorgen, den letzten Funken zu zünden. Vor und hinter den Kulissen werden 1400 Mitarbeiter im Einsatz sein, darunter 160 Köche. Serviert werden unter anderem 5000 Austern, 2500 Currywürste und 400 Stück Hummer.
Holger Mehlig, AP