Burma: Uno warnt vor neuem Zyklon - DER SPIEGEL
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Burma Uno warnt vor neuem Zyklon

Große Teile Burmas sind zerstört, Zigtausende Menschen kämpfen ums Überleben. Die Schäden, die Zyklon "Nargis" verursachte, sind noch längst nicht zu überblicken - nun könnte schon die nächste Katastrophe drohen: Die Uno warnt vor einem neuen Wirbelsturm - doch Meteorologen halten den Alarm für verfrüht.
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Hamburg - Knapp zwei Wochen nach dem verheerenden Zyklon "Nargis" droht dem schwer verwüsteten Burma schon wieder ein Wirbelsturm, teilten die Vereinten Nationen in Bangkok mit. Uno-Sprecherin Amanda Pitt berief sich auf das Meteorologie-Zentrum der Vereinten Nationen: Ein weiterer Wirbelsturm bilde sich derzeit in der Region, sagte sie. Noch könne nicht gesagt werden, wann der Sturm zu einem vollen Zyklon ausgebildet sei und wo er auf Land treffen werde. Es sei aber wahrscheinlich, dass es einen neuen Zyklon gebe. "Das ist furchtbar", sagte Pitt.

Zuständig für die Veröffentlichungen ist die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) mit Hauptsitz in Genf. Das für die Region Burma zuständige Warnzentrum hat seinen Sitz auf der Insel Guam im Westpazifik. Auf der Homepage ist zwar von der möglichen Bildung eines neuen Wirbelsturms die Rede, allerdings heißt es in der offiziellen Veröffentlichung: "Die derzeit zur Verfügung stehenden Daten rechtfertigen die Ausgabe einer Zyklon-Warnung zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht."

Ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes sagte SPIEGEL ONLINE: "Zum jetzigen Zeitpunkt kann es nur eine Vorwarnung geben. Wie sich das Tiefdruckgebiet entwickeln wird und ob es zur Bildung eines neuen Zyklons kommt, kann letztlich erst im Laufe des Tages mit Sicherheit gesagt werden."

Derzeit erschweren heftige Monsunregenfälle die Rettungsarbeiten vor Ort und begünstigen den Ausbruch von Seuchen.

Die Folgen des Zyklons "Nargis", der am 2. und 3. Mai über Burma hinweg zog, sind bei weitem noch nicht erfasst: Nach derzeitigem Stand sollen bis zu hunderttausend Menschen dem Wirbelsturm zum Opfer gefallen sein. Kinder sind am schwersten von den Folgen des verheerenden Wirbelsturms "Nargis" in Burma betroffen.

Nach Angaben der Hilfsorganisation Save the Children sind in Burma rund 40 Prozent der Menschen unter 18 Jahre alt, fast die Hälfte Todesopfer des Zyklons sind Kinder. Unzählige Kinder sind seit der Katastrophe Waisen oder suchen verzweifelt nach ihren Eltern. Auf den Straßen laufen sie jedem Auto hinterher, in der Hoffnung auf etwas Essbares oder eine Flasche Wasser.

Bei starken Überschwemmungen und Winden von bis zu 200 Stundenkilometern sind junge und schwache Menschen besonders gefährdet. Viele hatten nicht die Kraft, gegen die plötzlich ansteigenden Wassermassen anzukommen, als "Nargis" das Land verwüstete.

"Kinder sind viel verwundbarer", sagt der Sprecher von Save the Children, Dan Collinson. Unzählige leblose Kinderkörper waren auf den ersten Bildern der Verwüstung zu sehen, wie sie in Gewässern trieben oder sich in Bäumen verfangen hatten. Durch den Zyklon wurden auch 3000 Schulen in dem südostasiatischen Land zerstört.

Von den überlebenden Kindern sind viele durch die Katastrophe und den Verlust ihrer Familie traumatisiert. "Wir haben Berichte über 300 Kinder, die in einem Camp leben", sagt Kathryn Rowe von Save the Children. Sie alle hätten ihre Eltern im Sturm verloren. Ob die Eltern tot sind oder nach ihrem Nachwuchs suchen, ist nicht bekannt. Die Kinderhilfsorganisation Word Vision richtete in den Katastrophengebieten 37 Betreuungszentren für Minderjährige ein und hilft ihnen bei der Suche nach ihren Eltern.

Außer den seelischen Wunden haben die Kleinen zunehmend gegen Infektionskrankheiten zu kämpfen. Verschmutztes Wasser und der Mangel an Nahrung machen vor allem den Jüngsten zu schaffen, da sie schwächere Immunsysteme haben. Schätzungen der Uno zufolge leidet bereits eins von fünf Kindern in den von "Nargis" betroffenen Gebieten an Durchfall.

Hilfsorganisationen berichten nun obendrein von Menschenhändlern in dem Katastrophengebiet. Nach Angaben des Uno-Kinderhilfswerks Unicef wurden bereits zwei Verdächtige festgenommen. In der vergangenen Woche sei ein Mittelsmann in eine Notunterkunft gekommen und habe versucht, Kinder mitzunehmen, berichtet Unicef-Mitarbeiterin Anne-Claire Dufay. Die Polizei griff jedoch ein.

"In solch einer Situation ist es für Menschenhändler leicht, sich Kinder zu schnappen und sie zu überzeugen, dass sie woanders ein besseres Leben haben könnten", sagt Katy Barnett von Save the Children.

pad/AP/AFP