Callgirl-Minister John Profumo ist tot
London - Nach Angaben seines Sprechers erlag Profumo in der Nacht den Folgen eines Schlaganfalls. Profumo sei kurz nach Mitternacht im Kreise seiner Familie in einem Londoner Krankenhaus gestorben, in das er zwei Tage zuvor eingeliefert worden sei.
Die Profumo-Affäre im Jahre 1963 brachte schließlich sogar den konservativen Premierminister Harold Macmillan zu Fall. Zunächst aber bedeutete sie das abrupte Ende der steilen Karriere des damals 48-jährigen Kriegsministers, wie der Ressortchef für Verteidigung seinerzeit noch hieß. Der verheiratete Profumo unterhielt Anfang 1963 eine Liaison mit dem Mannequin Christine Keeler und einem weiteren Callgirl namens Mandy Rice-Davies. Brisant war dabei nicht einmal so sehr die Affäre selbst, sondern die Tatsache, dass Keeler zur gleichen Zeit ein Verhältnis mit dem sowjetischen Marineattaché und Geheimdienstler Jewgeni Iwanow hatte.
Zwar konnte niemals nachgewiesen werden, dass irgendwelche Staatsgeheimnisse verraten wurden. Dennoch sorgte der Fall wochenlang für skandalträchtige Schlagzeilen und setzte die Regierung massiv unter Druck. Hinzu kam, dass Profumo die Affäre vor dem Parlament zunächst leugnete, sie aber später einräumen musste. Er trat am 5. Juni 1963 zurück. Im November legte dann auch Premierminister Macmillan sein Amt nieder - aus gesundheitlichen Gründen, wie es offiziell hieß. Ein Jahr später verloren die Konservativen die Parlamentswahl an die Labour Party unter Harold Wilson.
Profumo, ein Nachfahre italienischer Adliger und von Haus aus ein sehr wohlhabender Mann, engagierte sich für den Rest seines Lebens für Wohlfahrtsorganisationen. Vor allem unterstützte er die Armen in London. Beobachtern zufolge wollte er damit Buße tun. Er selbst sagte rund 40 Jahre nach dem Skandal in einem Interview, er habe Demut gelernt. Schon 1975 wurde ihm für seine karitative Arbeit der Orden des britischen Empires verliehen. Profumo hinterlässt einen 50-jährigen Sohn und drei Enkelkinder. Seine Frau Valerie, die trotz der Affäre bei ihm blieb, starb 1998.
Audrey Woods, AP