Camorra-Krieg Blutwochenende in Neapel
Neapel - Bewaffnete erschossen am Sonntag zwei Männer in einem Tabakladen in der Stadt Melito nahe Neapel. Eines der Opfer war sofort tot, das andere starb noch vor seiner Einlieferung ins Krankenhaus, berichten italienische Nachrichtenagenturen.
In Secondigliano wurde ein Mann ermordet, der in seinem Auto die Zeitung las. Zwei Bewaffnete hätten ihn in ihren Wagen gezerrt, wie der Fernsehsender RAI berichtete. Kurz darauf sei der ausgebrannte Wagen mit der verkohlten Leiche gefunden worden. Bereits am Samstag wurden zwei Männer in einer Kfz-Werkstatt erschossen.
Derzeit erschüttert ein Bandenkrieg die Di-Lauro-Familie, die zur neapolitanischen Camorra gehört, erklärten Ermittler. Das Syndikat kontrolliert in der Gegend um Neapel den Drogen- und Waffenhandel, das Geschäft mit Erpressung, illegalem Glücksspiel und Prostitution. Abtrünnige Clan-Mitglieder wollen offenbar die Kontrolle über den Drogenhandel übernehmen.
Vor einer Woche wurde ein Mann in einer Pizzeria erschossen, drei von Kugeln durchsiebte Leichen wurden in einem Auto gefunden. Seit Jahresbeginn gab es bereits 113 Morde in der Region Neapel, die meisten davon sollen auf das Konto des organisierten Verbrechens gehen. In den 80er Jahren hatten Revierkämpfe der Camorra rund 700 Menschenleben gekostet.