Carnaval in Rio Explosion der Sinnlichkeit
Rio de Janeiro - Mit den Hüllen fallen die Hemmungen. Ein Mal im Jahr ist unterm Zuckerhut alles erlaubt: Dann fliegen die Büstenhalter in die Ecke. Die Bikini-Oberteile, die zu den wichtigsten Kleidungsstücken der Cariocas gehören, bleiben im Schrank: Ein Mal im Jahr dürfen Frauen zeigen, was sie haben. Dann ist Carnaval. Dann fließen Alkohol und Schweiß in Strömen, bei hochsommerlichen Temperaturen tanzen Favela-Bewohner neben Touristen, Hausmädchen neben Bankangestellten und Models neben Straßenfegern.
Carnaval in Rio: Explosion der Sinnlichkeit
Unter dem Refrain "Alle sind nackt/Die pure Schönheit/Alle sind nackt/Was für eine Freude" startete die Schule São Clemente als erste der 14 Sambavereine ihr Programm. Tausende Tänzerinnen und Tänzer versuchten über 80 Minuten lang, das Publikum in Ekstase zu versetzen. Teilweise waren die Kostüme der Darsteller auf einen Kopfschmuck und Armbänder beschränkt, am Körper trugen etliche Darsteller lediglich Goldstaub.
Doch trotz des eingängigen Sambas gelang es der Schule São Clemente nicht, den Funken auf das Publikum im Sambódromo überspringen zu lassen. Die meisten Besucher im Stadion, das extra für den Karnevalsumzug gebaut wurde, blieben sitzen, berichtet "O Globo Online".
Pech hatte auch die Schule Grande Rio: Die Wagen der Gruppe waren von der Justizbehörde zwei Tage vor den Umzügen verboten worden: Die Gipsfiguren, die Kamasutra-Szenen und Adam und Eva darstellten, seien "Pornografie pur". Auch die katholische Kirche hatte die Sexdarstellungen scharf kritisiert. Die Wagen seien "unanständig und inakzeptabel", hatte Rios Erzbischof Eusebio Scheid erklärt.
Da keine Zeit mehr war, die zu heißen Figuren zu entschärfen, fuhren die Wagen des Anstoßes unter schwarzen Plastikplanen versteckt durch das Stadion.
Die Auftritte der Sambaschule werden von einem Millionenpublikum live im Fernsehen verfolgt. Jede Gruppe bietet bis zu 4000 Tänzer und Trommler für ihre Vorstellung auf. Die Jury bewertet Musik, Kostüme, Originalität, die Gestaltung der Wagen, die Stimmung unter den Tänzern - am Wichtigsten ist jedoch, wie das Publikum auf den Samba reagiert.