Celle: Fußballverband sperrt Kreisliga-Fußballer wegen »pornografischen« Instagram-Videos - DER SPIEGEL
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Gegenspieler im Internet »erniedrigt« Fußballverband sperrt Kreisliga-Fußballer wegen »pornografischen« Instagram-Videos

Ein Kreisliga-Fußballer zeigte auf Instagram ein Video von Konkurrenten, laut Sportgericht als »pornografische Darstellung«. Das hat nun Konsequenzen.
Fußball (Symbolbild)
Fußball (Symbolbild)

Fußball (Symbolbild)

Foto: Svetlana Lazhko / Zoonar / IMAGO

In einem Kreisklasse-Skandal um ein als »pornografisch« bewertetes Instagram-Video hat der zuständige Kreisfußballverband in Niedersachsen ein Urteil gefällt. Weil er zwei Gegenspieler eines anderen Clubs in einem Instagram-Video erniedrigt habe, ist ein Amateurfußballer aus dem Landkreis Celle für ein halbes Jahr gesperrt worden. Das Sportgericht des Kreisfußballverbands wertete ein 20 Sekunden langes Instagram-Video als »pornografische Darstellung«. Das berichtet die »Cellesche Zeitung« .

Was war passiert? Im April trafen die Nachbarclubs FG Wohlde und TuS Unterlüß in der 2. Kreisklasse aufeinander (8:2). Nach der Partie lud der Wohlder Spieler auf seinem Instagram-Account ein von ihm bearbeitetes und mittlerweile wieder gelöschtes Video hoch. Darauf zu sehen waren zwei auf dem Boden kniende Spieler aus Unterlüß sowie eine Comicfigur, deren tanzende Bewegungen man als sexuelle Handlungen deuten konnte.

Gegenspieler fühlen sich gedemütigt

»Wir fühlen uns erniedrigt und gedemütigt«, sagte einer der beiden Fußballer der »Celleschen Zeitung«. Der Wohlder Spieler entgegnete in seiner schriftlichen Stellungnahme für das Sportgericht, dass er »die gegnerischen Spieler nicht markiert habe, dass diese nur unscharf zu erkennen seien und er das Video auf seinem privaten, nicht öffentlichen Kanal eingestellt habe«. Er wolle sich aber »bei jedem aufrichtig entschuldigen, für den Fall, dass sich eine jegliche Person durch das Video persönlich angegriffen fühlt«.

In der Urteilsbegründung des Sportgerichts heißt es: »Der Vorfall stellt keineswegs ein Kavaliersdelikt oder einen harmlosen Scherz dar.« Gegen das Urteil kann die FG Wohlde noch Einspruch einlegen. Zudem sind zwei von sechs Monaten Sperre zur Bewährung ausgesetzt. Zu den Auflagen gehört, dass der 23 Jahre alte Spieler der FG Wohlde sich auch noch einmal »persönlich und öffentlichkeitswirksam« bei den beiden anderen Fußballern entschuldigt.

Anmerkung der Redaktion: Nach Veröffentlichung des auf einer Agenturmeldung basierenden Beitrags hat sich der Anwalt des betroffenen Spielers gemeldet und legt Wert auf die Feststellung, dass sein Mandant lediglich dem »Michael-Myers-Trend« gefolgt sei, einem Internetphänomen, bei dem in Fußballclips eine tanzende Figur zugefügt werde. Man verfolge dabei keinen sexuellen Ansatz, vielmehr handele es sich nach Auffassung seines Mandanten lediglich um ein im Fußball übliches Necken der Gegenspieler. Auch habe kein Deepfake-Video vorgelegen, es sei lediglich eine bestehende Datei in eine andere eingefügt worden. Nachdem bei Deepfakes üblicherweise realistisch wirkende Medieninhalte gemeint sind, die abgeändert, erzeugt bzw. verfälscht worden sind, dies hier aber so nicht vorlag, haben wir den Beitrag insoweit entsprechend angepasst und dabei auch die Bewertung des Kreissportgerichts, wonach eine pornografische Darstellung vorliege, als solche klarer hervorgehoben.

ptz/dpa

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