Chai Time: "Welcome to Islamabad" - DER SPIEGEL
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Chai Time "Welcome to Islamabad"

Wieso zieht jemand freiwillig nach Pakistan? Gibt es dort nicht nur Terroristen? Von wegen. Hasnain Kazim, SPIEGEL-ONLINE-Südasienkorrespondent, berichtet künftig von seinen persönlichen Erfahrungen aus der Region. Diesmal von arbeitswütigen Maklern - und der Kriegsklausel in seinem Mietvertrag.
Umzug per Taxi: "Wozu einen Transporter? Da passt alles rein."
Umzug per Taxi: "Wozu einen Transporter? Da passt alles rein."

Umzug per Taxi: "Wozu einen Transporter? Da passt alles rein."

Foto: Hasnain Kazim
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Wir ziehen nach Islamabad."

Genauso gut könnte man seinen Freunden erzählen, dass man sich als Söldner im Irak verdingt hat. Die Reaktionen wären kaum anders.

"Oh Gott, warum ausgerechnet in eine so gefährliche Stadt?" Manche schauen einen an, als wäre man so gut wie tot, wenn man auch nur einen Fuß dorthin setzt.

Der Name Islamabad macht Angst, aus Pakistan kommen in letzter Zeit beunruhigende Berichte. Viele Pakistaner klagen, dass immer nur die schlechten Nachrichten ihren Weg in die weite Welt finden.

Denn Islamabad ist eine hübsche Hauptstadt: Sie liegt am Fuße der Margalla-Hills, Ausläufer des Himalaya. Der griechische Städteplaner Konstantinos Doxiadis hat die Metropole am Reißbrett entworfen.

"Neues großes Spiel" in Asien

Ein Ort im Bauhausstil also: Islamabad, Anfang der Sechziger Jahre gebaut, wirkt mit seinem schachbrettartigen Grundriss wenig pakistanisch. Die Straßen haben keine Namen, sondern Nummern. Manche Ausländer finden die Stadt nicht orientalisch genug, zu künstlich, zu wenig chaotisch. Aber dafür grünt es das ganze Jahr über, die Luft ist sauber, hier lässt es sich gut leben.

"Na ja, es ist immerhin eine der spannendsten Regionen der Welt", antworte ich.

Das "neue große Spiel", wie der pakistanische Journalist Ahmed Rashid es in Anlehnung an "The Great Game" nennt, dem Wettstreit Großbritanniens und Russlands im neunzehnten Jahrhundert um strategischen Einfluss in Zentralasien, hat längst begonnen: Die westlichen Mächte, allen voran die USA, wollen in Afghanistan mitmischen, Turkmenen, Usbeken, Tadschiken verfolgen ihre Interessen - und Indien und China kämpfen um die Vorherrschaft in Asien. Der extremistische Islam hat hier seine Wurzeln. Und mittendrin Pakistan, Heimat von Terroristen und Opfer des Terrors zugleich, Partner des Westens im Anti-Terror-Kampf und doch verzweifelnd an - und gelegentlich zweifelhaft in - dieser Rolle.

"Gibt es eine reizvollere Gegend für einen Journalisten?", frage ich zurück. Außerdem stammt meine Familie vom Subkontinent, aus Indien und aus Pakistan, warum also nicht eine Zeit lang dort leben, wo die eigenen Wurzeln liegen? Eigentlich hatten wir uns für Neu-Delhi entschieden, aber Indien verweigert mir derzeit das Visum. Wie ich höre, ist die Regierung über meine "bösartige Berichterstattung" nach den Anschlägen in Bombay im November 2008 verärgert.

Dann eben Islamabad.

Chaotischer Start in der neuen Heimat

Unsere Möbel lagern wir ein und fliegen nur mit zwei Koffern in unsere neue Heimat. Für die erste Zeit ist eine Pension gebucht.

"Sorry Sir, leider haben wir kein Zimmer frei", sagt der Mann an der Rezeption. Dabei hatte ich zweimal im Gästehaus angerufen und eine E-Mail geschickt. Saleem, unser Taxifahrer, erklärt mir später im Auto, dass gerade ein Parteitag in Islamabad stattfindet und dass deshalb alle Unterkünfte ausgebucht sind.

"Aber ich habe doch extra reserviert!"

"Vielleicht hat ein Politiker ein paar Rupien mehr geboten?", erwidert Saleem.

Na, das ist mal ein guter Anfang, denken meine Frau und ich. Erst nach einer Stunde Kurverei durch die Stadt finden wir ein freies Zimmer.

Am nächsten Morgen machen wir uns gemeinsam mit einem Makler auf Wohnungssuche. Er holt uns mit seinem Auto ab und erklärt uns, er wolle uns erst einmal drei, vier Immobilien zeigen, damit er an unserer Reaktion sehen könne, was genau wir suchen.

Mietzahlung ein Jahr im Voraus

Am Ende sind es 40 Häuser in drei Tagen. Die Wohnungspreise liegen weit höher als erwartetet. Wer einen halbwegs westlichen Standard möchte, muss mindestens 1000 Dollar im Monat zahlen - für eine Drei-Zimmer-Wohnung, kalt. Ein Haus kostet locker das Doppelte, die Nachfrage nach gut absicherbaren Häusern ist stark gestiegen. Die Miete muss man auch noch ein Jahr im Voraus überweisen.

Wir haben Glück: Der Vermieter unserer Wohnung lässt sich darauf ein, die Miete nur für ein halbes Jahr im Voraus zu kassieren. Freundlicherweise ermöglicht er uns sogar einen vorzeitigen Ausstieg aus dem Vertrag: "Sollte das Gebäude durch Feuer, Erdbeben, Sturm, Flut, Krieg, jegliche Form von militärischer Gewalt oder durch einen Mob teilweise oder gänzlich zerstört werden, endet der Mietvertrag auf Wunsch des Mieters innerhalb von 20 Tagen", steht in dem Dokument.

Der Makler sieht unsere besorgten Gesichter. "Keine Sorge, das ist eine sichere Gegend", sagt er und lacht. Das sei ein Standardvertrag.

Umzug per Taxi

Eine Woche nach unserer Ankunft in Islamabad ziehen wir also in die obere Etage eines schönen Hauses, unser Stadtteil heißt F-7. Wir wollen einen Transporter mieten, mit dem wir all die Sachen, die wir in den ersten Tagen gekauft haben, in die Wohnung fahren können. Saleem holt uns mit seinem gelben Suzuki vom Gästehaus ab. Als er unser Umzugsgut sieht, sagt er: "Wozu einen Transporter? Das nehmen wir alles im Taxi mit."

"Wir können auch zwei oder drei Mal fahren", sage ich.

"Nein, nein, da passt alles rein."

Er bindet zwei Koffer und mehrere Tüten auf das Dach, stopft den Rest auf den Beifahrersitz und zwischen uns auf die Rückbank. "Sehen Sie? Inschallah klappt alles", sagt er, während er uns in unsere neue Wohnung fährt.

Er lächelt.

"Welcome to Islamabad."

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