Chaos nach dem Beben: Chinas Medien widerrufen Meldung über geretteten Deutschen - DER SPIEGEL
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Chaos nach dem Beben Chinas Medien widerrufen Meldung über geretteten Deutschen

Das Wunder hat es nicht gegeben: Chinas staatliche Medien haben eine Meldung korrigiert, dass ein Deutscher nach 114 Stunden aus den Erdbebentrümmern gerettet wurde. Der Mann meldete sich inzwischen: Er habe bis zum Eintreffen der Rettungskräfte in einem Dorf ausgeharrt.
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Peking - Ein vermisster Deutscher hat das schwere Erdbeben in Südwestchina unverletzt überlebt. Anders als zuvor berichtet, musste der Mann jedoch nicht aus Trümmern geborgen werden. Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua korrigierte eine Meldung vom Morgen, derzufolge ein deutscher Tourist 114 Stunden unter Trümmern verschüttet lag.

Der 62 Jahre alte Mann habe bis zum Eintreffen der Rettungskräfte unverletzt zusammen mit den Bewohnern des Dorfes Taogan ausgeharrt. "Mit mir ist alles in Ordnung", sagte er laut Xinhua.

Der neuen Version zufolge war der Mann, der als Reiseleiter und Bergführer arbeitet, mit einem Übersetzer und einem Fahrer auf einer Straße unterwegs, als das Erdbeben begann. Das Trio habe sich durch die Trümmer bis in das Dorf Taoguan durchgeschlagen, wo sie fünf Tage lang mit Wasser und Nahrung versorgt worden seien. Von dort wurden sie schließlich am Samstag von Soldaten gerettet, berichtet Xinhua.

Nach Angaben eines Militärangehörigen soll der Deutsche nun in die Provinzhauptstadt Chengdu gebracht werden, sobald ein passende Fahrzeug gefunden sei.

Tausende flüchten vor drohendem Dammbruch

Nach dem verheerenden Erdbeben mit mehr als 50.000 Toten könnte es in China eine neue Katastrophe geben: Tausende Menschen und die Bergungsmannschaften flüchten vor einem drohenden Dammbruch, der eine riesige Flutwelle auslösen könnte.

Die Stadt Beichuan wurde nach Korrespondentenberichten evakuiert. Tausende seien schnell in höher gelegene Gebiete geflohen, berichtete die ARD-Korrespondentin Ariane Reimers, während sie selber mit dem Kameramann und einer Assistentin den Berg heraufrannte. Die Menschen riefen "lauft, lauft" oder "schnell, schnell". "Alle helfen sich gegenseitig, auch an Engpässen."

Anfangs habe es kurz Panik und Hektik gegeben, doch sei die Evakuierung nach zehn Minuten eher wie ein "geordneter Rückzug" verlaufen. "Alle ziehen aus der Stadt ab." Die Zerstörung in der Stadt, wo nur 10.000 der 30.000 Einwohner überlebt haben, nannte Reimers "unfassbar". "Alles ist voller Leichen."

Kurz zuvor hatten Soldaten laut amtlicher Nachrichtenagentur Xinhua berichtet, der Wasserstand steige und der Damm könne "jederzeit brechen". Es müsse evakuiert werden.

Die Gefahr droht nach Angaben der Provinzregierung von einem Damm oberhalb von Beichuan. Bei dem Erdbeben am vergangenen Montag hatte ein Erdrutsch einen Fluss blockiert, so dass sich ein See herausbildete. Experten waren bereits zu diesem natürlichen Damm aus Geröll, Felsen und Erde gefahren, um die Gefahr einschätzen zu können. Die Behörden hatten auch das Wasser aus dem Fluss, der an Beichuan vorbeifließt, abgelassen, möglicherweise um Platz für eine Flutwelle zu schaffen.

Ein Polizist sagte der Nachrichtenagentur AP in Beichuan, Katastrophenschutzstellen seien vom Anstieg eines Flusses alarmiert, der von einem Erdrutsch aufgestaut werde. Dieser Damm drohe unter dem Druck der Wassermassen zu bersten. Einer der Fliehenden, Liang Xiao, sagte, sollte dies geschehen, werde eine zehn Meter hohe Flutwelle entstehen.

Die Zahl der amtlich bestätigten Toten durch das Erdbeben stieg am heutigen Samstag auf fast 29.000. Die Zahl der Verletzten gab die Regierung mit fast 200.000 an. Im Erdbebengebiet haben rund fünf Millionen Obdachlose eine fünfte Nacht in meist notdürftigen Unterständen verbracht. Mehr als hunderttausend Soldaten sind im Einsatz, um in den Trümmern nach Opfern zu suchen und die Hilfe zu organisieren.

ssu/als/AFP/AP/dpa/ddp