Artikel über Regulierung: Ein Unding für Waffenfreunde
Artikel in "Guns & Ammo" Liebe Waffenfreunde, ein bisschen Regulierung darf sein
New York - Man stelle sich vor, der "Kicker" würde die sofortige Einstellung des Fußballbetriebs in ganz Deutschland fordern. "Hörzu" die Abschaffung aller Fernsehsender. Oder der "Playboy" ein Verbot von Nacktbildern.
Die Aufregung wäre groß, die Leserschaft empört. Wie sich das anfühlt, erfährt derzeit die US-Zeitschrift "Guns & Ammo", einer Art Zentralorgan für den Waffenfreund und nach eigener Aussage das meistgelesene Waffenblatt der Welt. Bislang fiel es vor allem dadurch auf, dass eine Sache als heilig galt: der zweite Verfassungszusatz der USA, der es der Regierung verbietet, den Besitz oder das Tragen von Waffen einzuschränken.
Doch nun hat Chefredakteur Jim Bequette ein Editorial ins Blatt gehoben, das diese Position aus Sicht der Leser aufweicht. Konkret heißt es in dem von Dick Metcalf verfassten Text : "Viel zu viele Waffenbesitzer glauben immer noch, dass jede Regulierung des Besitzes oder Tragens von Waffen eine Rechtsverletzung ist." Es sei Fakt, dass alle von der Verfassung garantierten Rechte reguliert würden. Das sei schon immer so gewesen - und müsse auch so sein.
Die Reaktionen, etwa auf der Facebook-Seite der Zeitschrift , fielen unterschiedlich aus. Waffenfreunde drohten damit, ihr Abo zu kündigen. Sie befürchten nun offenbar auch, der Text könne Befürwortern der Waffenregulierung als Argument dienen. Diese wiederum hinterließen amüsiert Kommentare: Es sei herrlich zu beobachten, wie sich die Waffenfreunde über einen sinnvollen Gedanken aufregten.
In jedem Fall hat sich Bequette mit dem Abdruck des Artikels komplett verschätzt. Er habe angenommen, der Text werde "einen gesunden Gedankenaustausch über Ideen zu Waffenrechten generieren", schrieb er in einem Brief an die Leser . Er habe sich vertan.
Er verstehe die Empörung. "Guns & Ammo" stehe weiterhin ohne Einschränkung zum Verfassungszusatz. Mit dem Abdruck des Textes habe er die Tradition des Blattes verraten. Metcalfs Ansichten stimmten nicht mit seinen noch mit denen von "Guns & Ammo" überein.
Die Sache hat nun auch personelle Konsequenzen. Zunächst feuerte der Chefredakteur den Artikelschreiber Metcalf. Es war eine seiner letzten Amtshandlungen. Ein Chefredakteurswechsel sei ohnehin für den 1. Januar geplant gewesen, schreibt Bequette. Dieser werde nun vorgezogen.