Chemieunglück: Erneut chinesischer Fluss verseucht - DER SPIEGEL
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Chemieunglück Erneut chinesischer Fluss verseucht

Zum dritten Mal binnen weniger Wochen ist in China nach einem Chemieunfall die Trinkwasserversorgung von Millionen von Menschen gefährdet. Ein Fluss wurde durch Cadmium aus einer Gießerei verseucht. Die Regierung beschloss einen nationalen Notfallplan für solche Katastrophen.
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Peking - Wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Sonntag meldete, gelangte bereits am Mittwoch in der Provinz Hunan Krebs erregendes Cadmium aus einer Gießerei in den Fluss Xiangjiang. Der Fluss versorgt die sechs Millionen Einwohner zählende Provinzhauptstadt Changsha sowie die Nachbarstadt Xiangtan mit 700.000 Einwohnern mit Trinkwasser. Chinas Regierung beschloss unabhängig davon einen nationalen Notfallplan, um Unfälle schneller erkennen und bekämpfen zu können. Der Plan soll auch bei Unruhen und Naturkatastrophen greifen.

im Für die Bevölkerung bestehe nach dem neuen Chemieunfall keine unmittelbare Gefahr, versicherten Vertreter der örtlichen Behörden. Zur Neutralisierung des Gifts seien verschiedene Chemikalien in den Fluss gegossen und Frischwasser aus einem Staudamm zugeführt worden. Die Qualität des zu sauberem Trinkwasser verarbeiteten Wassers entspreche dem normalen Standard. Laut Xinhua lag der Cadmiumgehalt auf dem Höhepunkt der Umweltverschmutzung rund 25 Mal höher als erlaubt, konnte jedoch bis Samstag beinahe auf den Grenzwert gesenkt werden.

Im Dezember war der Fluss Beijiang in Südchina mit Cadmium aus einer Schmelzhütte nahe der Großstädte Kanton und Foshan verschmutzt worden. Zehntausende Menschen in mehreren Städten waren über eine Woche lang vom Trinkwasser abgeschnitten. Im November waren im Nordosten Chinas nach einem Unfall in einer Chemiefabrik Millionen Menschen vier Tage lang ohne Wasser.

Damals gelangten rund 100 Tonnen Benzol und andere Giftstoffe in den Songhua. In der Millionenstadt Harbin wurde daraufhin zum Schutz der Bevölkerung vorübergehend die Wasserversorgung eingestellt. Die Giftwelle erreichte über den Amur schließlich auch den Fernen Osten Russlands. Seither berichteten die staatlichen Medien in China über zahlreiche weitere Zwischenfälle, bei denen Flüsse verunreinigt wurden.

Der vom chinesischen Staatsrat beschlossene nationale Notfallplan sieht die Einrichtung eines Krisenreaktionsbüros vor, wo Informationen gesammelt und Hilfsaktionen koordiniert werden sollen. Er beinhaltet harte Strafen für Provinzbeamte, die Unglücke zu verheimlichen versuchen statt die Informationen schnell nach Peking weiterzumelden. Örtliche Behörden hatten immer wieder versucht, Unglücke aus Furcht vor Kritik zu vertuschen.

Der Plan soll nicht nur bei Chemieunglücken zur Anwendung kommen, sondern auch bei Naturkatastrophen wie der derzeitige Schneestrum in der Provinz Xinjiang, wo fast hunderttausend Menschen evakuiert werden mussten. Auch Aufständen wegen Enteignungen von Land, wie sie im Dezember etwa die Provinz Guangdong erschütterten, könnte mit den neuen Vorgaben begegnet werden.

AFP