Chile Nachbeben löst Panik in Erdbebengebiet aus
Chile: Nachbeben löst Panik in Erdbebengebiet aus
Foto: SPIEGEL ONLINEHamburg - Neue Nachbeben der Stärke 6,0 versetzten die Menschen in den vom Erdbeben betroffenen Regionen Chiles am Mittwoch in Panik.
Die Behörde für Katastrophenschutz ONEMI gab jedoch Entwarnung: "Dieses Beben hatte keine Eigenschaften, die einen Tsunami auslösen können", teilte sie mit. Die ONEMI hatte allerdings auch unmittelbar nach dem verheerenden Erdbeben vom vergangenen Samstag mit etwa 800 Toten Tsunami-Entwarnung gegeben.
Als sich das Gerücht von einem möglichen neuen Tsunami wie ein Lauffeuer verbreitete, versuchten zahlreiche Menschen per Auto in höher gelegene Gebiete zu flüchten. Die Menschen befürchteten, dass eine Flutwelle vom Meer aus durch den Fluss Bío Bío auch die Stadt erreichen könnte.
Die chilenische Regierung rechnet damit, dass die Zahl der Opfer des Erdbebens noch steigen wird. Die Hoffnung auf Überlebende unter den Trümmern schwindet immer mehr. Dennoch wurde weiter unter Hochdruck nach Verschütteten gesucht. Allein in der stark zerstörten Stadt Concepción wurden unter den eingestürzten Häusern fast 500 Menschen vermutet.
Dort gelang es dem Militär am Mittwoch mit einer massiven Truppenpräsenz, die Plünderungen der vergangenen Tage einzudämmen. In der Region patrouillieren mittlerweile rund 7000 Soldaten, um die Verteilung von Wasser und Nahrungsmitteln zu überwachen. Viele Einwohner warfen der Regierung in Santiago vor, zu langsam auf die Katastrophe reagiert zu haben. Das Erdbeben hatte einen Tsunami ausgelöst, der erst nach einigen Stunden auf die Küste getroffen war und viele Menschen in den Tod riss.
Chiles scheidende Präsidentin Michelle Bachelet verteidigte sich mitlerweile gegen Vorwürfe, die Hilfe nach dem Erdbeben vom Samstag sei zu langsam und zu mangelhaft angelaufen. "Die Leute werden immer denken, dass wir mehr hätten machen können", sagte sie.
Zeitungen und viele Bürger kritisierten Bachelets Regierung: Das Militär sei zu spät in Marsch gesetzt worden. Dutzende Menschen starben bei Schießereien zwischen Plünderern und Sicherheitskräften. Zudem hatte die Marine es versäumt, eindeutig vor dem kommenden Tsunami zu warnen.