China: Knapp tausend Kinder erleiden schwere Bleivergiftung - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

China Knapp tausend Kinder erleiden schwere Bleivergiftung

In der zentralchinesischen Provinz Henan sind fast tausend in der Nähe von Bleihütten lebende Kinder schwer erkrankt: In ihrem Blut wurden stark erhöhte Bleiwerte festgestellt. Die Behörden sperrten das Gebiet weiträumig ab, die Produktion wurde zunächst heruntergefahren.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Peking - "Die Nachricht ist wie ein Erdbeben. Wir haben alle Angst um die Gesundheit unserer Kinder", sagte ein entsetzter Vater der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua. Bei Untersuchungen an mehr als 2.700 Kindern unter 14 Jahren waren in der Stadt Jiyuan im Zentrum des Landes bei 968 extrem hohe Bleiwerte im Blut nachgewiesen worden.

Jetzt haben die Behörden rund um drei große Metallwerke in der Stadt einen Schutzkreis von einem Kilometer Durchmesser eingerichtet. Sämtliche Kinder seien umgesiedelt worden, berichtete Xinhua. Zudem habe die Stadtregierung die Produktion in 32 der 35 Bleiverarbeitungsanlagen in Jiyuan bis auf Weiteres ausgesetzt.

Die hohen Bleiwerte im Blut der Kinder seien ein Zeichen dafür, dass sie schon lange einer Vergiftung mit dem Schwermetall ausgesetzt seien, sagte Bürgermeister Zhao Suping. Eine so hohe Belastung kann Wachstumsstörungen sowie geistige Behinderungen zur Folge haben.

In den vergangenen Monaten waren auch aus den Provinzen Yunnan, Fujian und Shaanxi ähnliche Fälle gemeldet worden. Inzwischen sind schon mehr als 3.000 Kinder an Bleivergiftungen erkrankt.

Umweltskandale gefährden zunehmend den sozialen Frieden in China. Die Kommunistische Partei hat daher eine Kampagne zur Verbesserung der öffentlichen Sicherheit und der von Betrieben einzuhaltenden Arbeits- und Umweltschutzbestimmungen begonnen. Das Bewusstsein für die Gefährdung durch in der Chemie verarbeitete Substanzen ist in China allerdings noch sehr gering ausgeprägt.

ala/AFP/AP