China Massenflucht vor Taifun "Saomai"
Peking - Mit Windgeschwindigkeiten von 216 Kilometern pro Stunde traf der Taifun "Saomai" in der Stadt Cangnan auf die südöstliche Küste Chinas, berichteten amtliche Medien am Donnerstag. In der angrenzenden Provinz Fujian wurden den Berichten zufolge zwei Menschen in der Stadt Fuding getötet. Zwölf weitere gelten als vermisst. Mehrere Schiffe kenterten auf See. Fast überall in der Gegend fiel der Strom aus, rund die Hälfte der Telefonleitungen brach zusammen. Fernsehbilder zeigten, wie riesige Wellen die Küste trafen. Tausende Hektar Reisfelder wurden überschwemmt. Der Agentur Xinhua zufolge fielen in Cangnan 30 Millimeter Regen in einer Stunde.
Der Wirbelsturm hatte über Nacht plötzlich an Stärke gewonnen. Meteorologen stuften ihn in die höchste Kategorie ein und beschrieben ihn als "äußerst stark". Unbestritten gehört "Saomai" zu den Stürmen der Superlative: Beim Erreichen der Küste war er stärker als ein Taifun im August 1956, der damals dieselbe Gegend traf und einen Tsunami auslöste, bei dem mehr als 3.000 Menschen starben. Die Behörden warnten, "Saomai" sei außerdem offenbar noch heftiger als der Taifun "Rananim", der im August vor zwei Jahren 164 Menschen in der Provinz in den Tod gerissen hatte.
1, 5 Millionen Menschen fliehen vor "Saomai"
"Saomai" soll sich den Berichten zufolge 20 Kilometern pro Stunde in Richtung Landesinneres bewegen. In der größeren Gegend Wenzhou, in der auch Cangnan liegt, wohnen rund 7,4 Millionen Menschen. Dort wurde der Notstand ausgerufen. Die Behörden haben in den am schlimmsten betroffenen Gebieten die großen Straßen gesperrt. Auch der Flughafen in Wenzhou wurde geschlossen. Hunderte Fluggäste saßen nach Angaben eines Flughafensprechers fest. In der Provinz Zhejiang mussten nach Behördenangaben bereits fast eine Million Menschen ihre Häuser verlassen. Weitere 569.000 wurden in die Nachbarprovinz Fujian gebracht.
Meteorologen warnten, die Hafenstadt Wenzhou werde vermutlich die volle Härte des Sturmes treffen. Die dortigen Behörden forderten sämtliche Unternehmen auf, die Arbeit sofort einzustellen und sich gegen den Taifun zu wappnen. In Zhejiang und Fujian kehrten vor dem Eintreffen des Sturms mehr als 44.000 Schiffe sicherheitshalber in die Häfen zurück. Schulen bekamen Anweisung, die Kinder nicht ins Freie zu lassen.
"Saomai" ist bereits der achte Taifun in China in diesem Jahr. Er folgt dem Taifun "Prapiroon", der am vergangenen Wochenende in Südostchina 80 Menschen in den Tod riss. Unmittelbar hinter " Saomai" nähert sich bereits "Bopha" als neunter Tropensturm oder Taifun der chinesischen Küste. Sollte er sich "Saomai" weiter nähern, könnten sich die Stürme in ihrer Heftigkeit gegenseitig verstärken, warnten Meteorologen.
Bei Unwettern starben oder verschwanden in China in diesem Jahr bereits mehr als 2000 Menschen, teilte das chinesische Rote Kreuz laut Xinhua mit. Besonders hart von Taifunen und Regengüssen betroffen ist der Süden des Landes. Fünf Millionen Wohnhäuser und 32 Millionen Hektar Agrarland seien zerstört worden. Die wirtschaftlichen Schäden der Unwetter bezifferte das Rote Kreuz auf 130 Milliarden Yuan (100 Milliarden Euro).
fok/reuters/dpa/AFP