China: Umweltkatastrophe weitet sich aus - DER SPIEGEL
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China Umweltkatastrophe weitet sich aus

Nach der Explosion in einem chinesischen Chemiewerk nehmen die Schäden immer größere Ausmaße an. Jetzt ist auch die russische Grenzstadt Chabarowsk von benzolvergiftetem Wasser bedroht. Damit nicht genug: Bei einem weiteren Chemieunglück trat in Südwestchina ebenfalls Benzol aus.
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Peking - Chinas Regierung warnte Russland heute vor dem 80 Kilometer langen Giftteppich, der sich nach der Explosion auf dem Fluss Songhua im Nordosten der Volksrepublik ausgebreitet hatte. Der Strom mündet an der Grenze beider Staaten in den Amur. Das mit rund 100 Tonnen hochgiftigem Benzol und Nitrobenzol verunreinigte Wasser treibt auf die am Amur liegende russische Großstadt Chabarowsk zu. Die Giftfracht erreichte heute die chinesische Millionenstadt Harbin, wo die Wasserversorgung bereits gestern eingestellt wurde.

Bei einem weiteren Chemieunglück, das erst heute bekannt wurde, trat in Chongqing in Südwestchina ebenfalls Benzol aus. Bei der Explosion in dem Werk kam ein Mensch ums Leben, drei weitere wurden verletzt. Das Gift floss ersten Berichten zufolge in einen Bach. Die Behörden warnten vor Vergiftungen.

Russland ist besorgt wegen der drohenden Verschmutzung des Amur durch das verseuchte Wasser aus China. Der regionale Zivilschutz will ab morgen den Notstand im Gebiet von Chabarowsk ausrufen. In der 600.000 Einwohner zählenden Grenzstadt kauften die Menschen wie im chinesischen Harbin alles Mineralwasser in den Geschäften auf. Das verunreinigte Wasser soll am 1. Dezember Chabarowsk erreichen, berichtete die Agentur Itar-Tass. Chinas Regierung erklärte dagegen, es werde noch zwei Wochen dauern. Auf russischer Seite entnehmen etwa 1,5 Millionen Menschen ihr Trinkwasser aus dem Amur.

Am Sonntag vor einer Woche hatten sich mehrere Explosionen in der "Jilin Petroleum and Chemical Company" ereignet. Damals wurden mindestens 70 Menschen verletzt. Mehr als 10.000 Menschen mussten nahe der Stadt Jilin ihre Häuser verlassen. Das Fernsehen zeigte, wie sich gelbe und schwarze Rauchschwaden über einem Wohngebiet ausbreiteten. Das ganze Ausmaß des Unfalls wurde zunächst nicht bekannt.

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China: Umweltkatastrophe bedroht Russland

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In der Vier-Millionen-Stadt Harbin mussten die Menschen heute den zweiten Tag ohne Leitungswasser auskommen. Die Behörden bemühten sich, Trinkwasser aus Nachbarregionen in die Stadt zu schaffen. Neue Brunnen wurden gebohrt, um mehr Grundwasser zu gewinnen. Lediglich 90 Prozent der Einwohner hätten genug Trinkwasser für drei Tage, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Die Wasserversorgung soll dagegen mindestens vier Tage oder länger ausfallen. Die Schulen in Harbin wurden vorerst geschlossen. Viele Menschen verließen die Stadt. Am Bahnhof waren Menschenmassen zu sehen - mehr als in der Hauptreisezeit um das chinesische Neujahrfest. Bahnkarten und Flugtickets waren vielfach ausverkauft.

Um den Fluss zu reinigen, benötigen die chinesischen Behörden große Mengen Aktivkohle. Für die Reinigung des Wassers bräuchte man mindestens 1400 Tonnen Aktivkohle, doch stünden nur 700 Tonnen zur Verfügung, berichtete die Provinzregierung von Heilongjiang laut Xinhua.

Die Umweltschutzorganisation WWF zeigte sich besorgt über die Auswirkungen der Umweltverschmutzung auf die Menschen und das Ökosystem in der Region. Bessere Umweltschutzkontrollen sowie mehr Sicherheit in Industriebetrieben müssten durchgesetzt werden. Das Trinkwasser in China sei durch den starken Bevölkerungsdruck und die schnelle wirtschaftliche Entwicklung bedroht.