China Umweltschutz ist chic
Peking - Cola-Dosen und weitere Utensilien, die die Müllberge auf der Welt und auch im bevölkerungsreichsten Land der Erde anwachsen lassen, dominieren die Mode, die gestern in Peking auf dem Laufsteg präsentiert wurde. Die monothematische Schau diente zur bunten Untermalung des heutigen Weltumwelttages, an welchem der Staatsrat ein 45-seitiges Weißbuch veröffentlichte - mit durchaus ernüchternden Fakten.
Drei-Schluchten-Damm: Höchst umstrittenes Projekt
Foto: APDie Umweltsituation sei "ernst" heißt es darin. "Die anhaltende Verschlechterung der schwachen Ökologie des Landes insgesamt ist weiterhin nicht unter Kontrolle." Der Konflikt zwischen der rasanten wirtschaftlichen Entwicklung und der Umwelt "wird noch auffälliger". Die Rohstoffknappheit und die unzureichenden Fähigkeiten im Umweltschutz entwickelten sich zu "kritischen Problemen", die die Entwicklung des Landes behinderten.
Die Regierung des bevölkerungsreichsten Landes der Erde versucht mit dem Bericht, ihre Anstrengungen und Erfolge zu dokumentieren, kommt aber zu dem Schluss, dass die Umweltzerstörung weiter voranschreitet. Die Umwelt in fast zwei Drittel des Landes wurde als "anfällig" beschrieben. 90 Prozent des Graslandes verschlechterten sich weiter, so dass sich die Wüstenbildung fortsetze. Ferner würden zu viele Bäume abgeholzt. Die Bauern setzten zu viel Dünger und Insektenvernichtungsmittel ein. Küstengewässer seien verschmutzt.
Und das bildet nur einen Teil des Problems ab. Aus internationaler Sicht sind auch Projekte sehr bedenklich, die das kommunistische Regime als vorbildlich preist. So wurde vor gut zwei Wochen Drei-Schluchten-Damm fertig gestellt. Mit einer Höhe von 185 Metern und einer projektierten Leistung von 85 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr ist der Staudamm das größte Wasserkraftwerk der Welt - und das umstrittenste. Mehr als eine Million Menschen mussten umgesiedelt werden. Kritiker beklagen unabsehbare Folgen für die Umwelt.
Auch eine andere Hiobsbotschaft ist erst wenige Tage alt: Die extreme Verschmutzung von Chinas längstem Fluss bedroht Experten zufolge die Trinkwasserversorgung von mehr als 180 chinesischen Städten. Die Verschmutzung könne den Jangtse innerhalb der kommenden fünf Jahre vollständig zum Umkippen bringen, zitierte die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua vergangene Woche Experten. Das verschmutzte Wasser werde von Forschern sogar als Krebs erregend eingeschätzt. Schuld am katastrophalen Zustand sind Experten zufolge Industrieabfälle und Abwasser sowie die Verschmutzung durch Landwirtschaft und Schiffstreibstoff.
Der Jangtse ist nach dem Nil und dem Amazonas der drittgrößte Fluss der Welt. Er entspringt in Tibet und fließt durch 186 Städte, bis er schließlich bei Shanghai ins Meer mündet. Da der Fluss die einzige Trinkwasserquelle Shanghais sei, kämpfe die Stadt schwer darum, sauberes Wasser zu erhalten, sagte Lu Jianjian von der East China Normal University in Shanghai. Der Fluss habe 40 Prozent des gesamten in China anfallenden Abwassers aufgenommen. China droht eine massive Wasserkrise: 300 Millionen Menschen haben keinen Zugang zu Trinkwasser. Die Regierung bemüht sich daher unter hohem Kostenaufwand große Flüsse wie den Jangtse und den Gelben Fluss zu reinigen. Derartige Kampagnen haben allerdings eher mäßigen Erfolg, da sie vor Ort nur vereinzelt umgesetzt werden.
dab/dpa/reuters