Christiane Herzog First Lady mit eiserner Disziplin
Berlin - Sicherlich hat Christiane Herzog immer gehofft, mit ihrem Ehemann Roman nach seinem Ausscheiden als Bundespräsident mehr und vor allem unbeschwerte Zeit verbringen zu können. Während seiner bewegten beruflichen Laufbahn als Rechtsprofessor, Minister, Präsident des Bundesverfassungsgerichts und schließlich als Staatsoberhaupt sah sie ihren Mann weniger als ihr lieb war. Reisen waren nun geplant. Und zu Hause in Dachau wollten die Herzogs ein wenig mehr durchatmen - auch wenn Roman Herzog weiter vielfach engagiert ist und Christiane Herzog als Chefin der Mukoviszidose-Stiftung mehr als genug zu tun hatte.
Christiane Herzog und Roman Herzog führten seit über 40 Jahren eine konventionelle und doch ungewöhnliche Ehe. Zwar hat die studierte Hauswirtschaftslehrerin stets ihr Hauptaugenmerk darauf gehabt, ihrem Mann zu Hause den Rücken frei zu halten. Auch die Öffentlichkeit verband mit ihr wegen ihrer Fernsehreihe "Zu Gast bei Christiane Herzog" stark das Bild einer hervorragenden Köchin. Auf der anderen Seite entwickelte die Tochter eines Pfarrers stets eigene Interessen und übernahm in vielen Ämtern Verantwortung für andere. Ehemann Herzog beschrieb bei seinem Amtswechsel die Ehe mit den Worten: "Wir sind, so weit es sich irgendwie vertreten ließ, getrennt marschiert, aber wir haben vereint geschlagen ..."
Was sie an Pflichten übernahm, erledigte Christiane Herzog mit eiserner Disziplin. Das zeigte sich besonders in ihrem Engagement für die Mukoviszidose-Kranken, das schon in den achtziger Jahren begann. "Ich bin der Meinung, man kann sich nicht nur die schönen Dinge aussuchen", sagte sie vor einem Jahr. "Unser größtes Problem in Deutschland ist doch, dass wir die Flügel zu sehr hängen lassen, uns zu sehr selbst bemitleiden, die Schuld bei anderen suchen, bevor wir fragen, was wir selbst tun können."
Schon während der Amtszeit ihres Manns als Staatsoberhaupt wurde bei Christiane Herzog der Krebs diagnostiziert. Sie hat sich aber in den Jahren der Repräsentation an der Seite ihres Mannes und bei den übrigen Pflichten, die die erste Frau im Staat hat, nie etwas anmerken lassen.
Ulrich Scharlack