Christlicher Internettreff: Blind Date zum Gottesdienst - DER SPIEGEL
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Christlicher Internettreff Blind Date zum Gottesdienst

Katholische Singles können bald auf einer deutschsprachigen Internetseite auf Partnersuche gehen. Das streng zielgruppenorientierten Angebot liegt im Trend - das Singlegeschäft im Netz setzt immer mehr auf Spezialisierung.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - Der kroatische Akzent ist bezaubernd: "Ich bin ganz exotisch", sagt Josipa Gasparic und kichert, doch sie meint das anders, als man vermutet. Mit ihren Lebensvorstellungen erzeugt sie bei neuen Bekanntschaften oft ratlose Gesichter, will sie damit sagen. Was man sich gut vorstellen kann. Die Sätze der 30-Jährigen zu Ehesakrament, Gebet und Sühne, die dann folgen, eignen sich schlecht für Partygeplänkel oder für einen Plausch im Café.

Die angehende Religionslehrerin geht gerne aus, doch von harmlosen Flirts in der Nacht hält sie nichts. Sie fühle sich reif für Ehe und Familie, sagt sie. Von ihrem Traumtyp hat sie klare Vorstellungen: "Er muss beten, eine lebendige Beziehung zu Gott haben." Er solle sie "als Mensch mit Würde" behandeln und vor Gott bedingungslos ja zu ihr sagen. Weil die Kroatin, die vor zehn Jahren nach Österreich kam, einen solchen Mann bisher weder in den Wiener Clubs noch in Kaffeehäusern gefunden hat, will sie die Suche jetzt systematisch angehen: auf der ersten deutschsprachigen Single-Website für Katholiken.

Am Montag wird die christliche Partnervermittlungsseite frei geschaltet. Für 25 Euro im Vierteljahr kann Josipa Gasparics dann ihr Foto und ein Profil mit Vorlieben und Überzeugungen in das interne System stellen und dort auch selbst nach potentiellen Partnern Ausschau halten. Die Kontaktaufnahme erfolgt über einen Benutzernamen, so dass der Kontaktierte selbst entscheidet, ob er antwortet oder nicht.

Christliche Liebe grenzenlos

Die Adresse - www.kathtreff.org - klingt ein wenig hölzern, doch das Forum soll ja auch kein virtuelles Plauderstübchen sein. "Ja, ich bin von der Lehre der katholischen Kirche zum Thema Ehe und Familie überzeugt", muss der Bewerber auf der dezent in Pastell gehaltenen Seite ankreuzen, und: "Ja, ich bin katholischer Single und kirchenrechtlich in der Lage, das Sakrament der Ehe zu empfangen." Dass das Angebot nur für Heterosexuelle gilt, erschließt sich daraus von selbst.

Initiiert hat die Seite der Salzburger Weihbischof Andreas Laun. Der 62-Jährige Kirchenmann ist eigentlich für ziemlich altertümliche Weltanschauungen bekannt: Homosexualität hält er für eine heilbare Krankheit und ehelicher Verkehr mit Verhütungsmitteln ist für ihn kein richtiger Akt der Liebe mehr. Doch im Bereich der Partnerfindung hat er den Zeitgeist erkannt: "Ins Internet kann man schnell hineinschauen und es gibt keine Grenzen." Auf die Idee kam der Österreicher, als zwei junge Menschen ihm kurz vor ihrer Hochzeit erzählten, "wie sehnsüchtig sie Ausschau gehalten hatten nach einem gleich gesinnten Partner".

Kein Wischiwaschi anbieten

Ob seine christliche Kontaktbörse mit den hehren Zielen auch ein kommerzieller Erfolg sein wird? Insgesamt zumindest boomt das Singlegeschäft im deutschsprachigen Cyberspace. Nach einer Studie des Forums "Singlebörsen-Vergleich" erhöhte sich die Zahl der Mitgliedschaften bei Partnervermittlungen im Internet von 6,9 Millionen Ende 2002 auf 13,9 Millionen im letzten Jahr. Dazu kommen 4,6 Millionen Nutzer von Online-Dating-Foren, wo man sich ohne Mittler direkt verabredet.

Doch ob ein derart spezialisierte Seite wie kathtreff.org sich behaupten kann, da ist man zumindest bei der größten deutschsprachigen Internet-Vermittlung Parship skeptisch. "Ich glaube, dass Vielfalt grundsätzlich einen größeren Erfolg hat", sagt Diplom-Psychologin Sabine von Wery von Limont im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Facettenreichtum sei doch genau das, was eine Single-Börse spannend mache. "Und nur wenn Menschen sich an ihren Unterschieden reiben können, entsteht Entwicklung."

Auch bei Parship wird ausgewählt: Jedem Mitglied werden je nach Profil Kontaktvorschläge unterbreitet. Die Kriterien seien aber psychologischer Natur, sagt Wery von Limont: Wie viel Nähe jemand wünsche oder wie viel Durchsetzungswillen er hat. Eine Auswahl nach Religion, wie kathtreff.de sie betreiben will, "das kann auch in den Bereich Stigmatisierung gehen", sagt sie.

Bischof Laun sieht das im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE ganz anders: "So einen Wischiwaschi wollen wir nicht anbieten, die Seite ist für Menschen, die mit Liebe und Begeisterung zur katholischen Kirche stehen." Auch die Entwicklerin der Webseite, Gudrun Kugler-Lang, sieht die strengen Mitgliedsvoraussetzungen nur als zielgruppenorientiertes Angebot: "Wir wollen damit Andersdenkende nicht verurteilen", sagt sie.

"Viel Geld zu verdienen ist damit nicht", glaubt jedoch auch die 28-jährige Unternehmerin, die selbst überzeugte Katholikin ist. Sie wisse nicht mal, ob genügend für ihr eigenes Honorar zusammenkommt. "Das Risiko nehme ich auf mich", sagt sie. Weil sie selbst in der "Handygesellschaft" - wo alles immer unverbindlicher wird - fest an das Sakrament der Ehe glaubt: "Meine Beziehung zu meinem Mann hat das sehr vertieft."

Seiten für alle Leiden

Ein Blick auf die Konkurrenz könnte der Wienerin auch finanzielle Hoffnung geben. Die evangelischen Single-Seiten, die vor allem deutsche Freikirchen im Netz schon seit Jahren anbieten, sind gut besucht. Die Partnervermittlung Feuerflamme.de hat derzeit 15.000 Mitglieder und 2000 Besucher pro Tag, gerade wird das Gratisangebot deshalb zu einer kostenpflichtigen Vermittlung mit mehr Service umgebaut.

Auch insgesamt geht der Trend immer mehr zur Spezialisierung. Kein typisches Single-Leiden, das im Internet nicht gezielt bekämpft werden könnte. Erotische Abenteuer werden genauso vermittelt wie Partner zum gemeinsamen Kochen, allein Erziehende können ganz unter sich flirten. Auch Anhänger üppiger Kurven, Landwirte und Hundeliebhaber finden eigene Seiten. Sogar wer auf eine seltene Blutgruppe Wert legt, kann bei rossiodiamore.de Hilfe finden.

Für Josipa Gasparic ist das Internetflirten ganz neu, und sie klingt aufgeregt, wenn sie davon erzählt. "Eine Freundin in Amerika hat mir tolle Sachen erzählt, sie war schon auf drei Hochzeiten", schwärmt sie. Es sei ja auch ein anderes Kennen lernen, wenn der erste Blick nicht nach außen sondern nach innen gehe. So wie bei "E-Mail für Dich " stelle sie sich das Internettreffen vor - in dem Film hüpft Meg Ryan wie ein Kind in ihrem Appartement herum, weil sie auf elektronische Post von ihrem unbekannten Schwarm wartet.

Romantische Briefe zu bekommen, ohne den Absender je gesehen zu haben, hat wohl seinen ganz eigenen Reiz. Deshalb wurde die kathtreff-Seite einfach gestaltet: Die Mitglieder sollen nicht im Netz hängen bleiben, so Gudrun Kugler-Lang. Und auch Bischof Laun mahnt: "Im Grunde geht es im Internet nur darum, sich schneller kennen zu lernen." Den Prozess des Zueinanderfindens müsse man dann natürlich persönlich durchlaufen. Und das ist wahrscheinlich mühsam wie eh und je.