Chronik Spektakuläre Geiselnahmen nach Banküberfällen
Die Geiselnahme von Uelzen, bei der am Dienstagabend drei maskierte Täter in einer Bank zwei Geiseln in ihre Gewalt gebracht hatten, weckt Erinnerungen an ähnliche Verbrechen der Vergangenheit. Eine Chronik der spektakulärsten Fälle seit 1988.
16.-18. August 1988: 54 Stunden ziehen die beiden Geiselnehmer Jürgen Rösner und Dieter Degowski nach einem missglückten Banküberfall in Gladbeck eine Blutspur durch Deutschland und die Niederlande. In Bremen kapern sie einen Stadtbus und ermorden einen 15-Jährigen. Als die Polizei sie auf der Autobahn überwältigt, erschießt Rösner ein als Geisel genommenes 18-jähriges Mädchen.
8./9. November 1991: In Lüdenscheid nimmt ein Schwerverbrecher auf Hafturlaub mehrere Geiseln in einer Bankfiliale. Nach 21 Stunden wird er bei der Befreiung der Opfer von einem Scharfschützen erschossen.
7. Oktober 1994: Ein 62-jähriger Bankräuber nimmt in einer Sparkasse in Herzogenrath 17 Geiseln. Nach 14 Stunden werden alle Geiseln unverletzt freigelassen oder können fliehen. Der Verbrecher begeht mit einer Handgranate Selbstmord.
2. November 1994: Zwei entflohene Häftlinge rauben in Fulda eine Bank aus und nehmen auf der Flucht in Stuttgart zwei Polizeibeamte als Geiseln. Die Verbrecher drohen, die Beamten mit einer Handgranate in die Luft zu sprengen. Nach 40-stündiger Verfolgung quer durch Deutschland stellt die Polizei die Täter in Drieburg und befreit die Geiseln unverletzt.
17. Juni 1995: Vier schwer bewaffnete Männer nehmen nach einem Banküberfall in Dänemark zwei Grenzbeamte als Geiseln und flüchten in die Bundesrepublik. Zuvor hatten sie einen Polizeibeamten erschossen. Bei Flensburg zwingen sie einen Lastwagenfahrer, sie nach Hamburg zu fahren. Dort lassen sie ihre Geiseln frei und tauchen im Getümmel des Evangelischen Kirchentags unter.
27. Juni 1995: Vier Männer überfallen eine Commerzbank in Berlin-Zehlendorf und bringen 16 Geiseln für 17 Stunden in ihre Gewalt. Sie entkommen durch einen selbst gegrabenen Tunnel mit fünf Millionen Mark Lösegeld und einer Millionensumme aus 200 Schließfächern. Die Geiselnehmer und ihre Komplizen werden später gefasst.
7. Dezember 1995: Ein bewaffneter und maskierter Täter hält in einer Münchner Sparkasse sechs Stunden lang drei Geiseln in seiner Gewalt. Ein Sondereinsatzkommando überwältigt den Täter.
12. Oktober 1996: Ein 25-jähriger nimmt in einer Sparkasse im schwäbischen Neuenstein sechs Menschen als Geiseln und fordert fünf Millionen Mark Lösegeld. Nach 14-stündigem Nervenkrieg ergibt er sich der Polizei.
5. Dezember 1996: Ein hoch verschuldeter Arbeitsloser überfällt eine Filiale der Hypo-Bank in München und nimmt einen 24-jährigen Bankangestellten als Geisel. Als der 37-jährige nach acht Stunden in ein Fluchtauto steigen will, zündet die Polizei eine Blendgranate und überwältigt ihn.
6. Dezember 1996: Ein Bankräuber hält in Leverkusen sieben Angestellte einer Sparkasse in seiner Gewalt. Nach zweieinhalb Stunden Verhandlungen mit der Polizei gibt der nur mit einer Schreckschusspistole bewaffnete Mann auf.
19. März 1997: Ein Sondereinsatzkommando beendet eine Geiselnahme in einer Sparkasse im niedersächsischen Wietmarschen. Der bewaffnete Täter hatte zunächst zwei Angestellte in seine Gewalt gebracht, eine konnte jedoch später fliehen.
25. Juli 1997: Nach neun Stunden gibt ein Geiselnehmer in einer Kölner Sparkasse freiwillig auf. Zuvor hatte er eine 32-jährige Putzfrau mit einer Schreckschusspistole in Schach gehalten und mit der Detonation von Sprengstoff gedroht.
14. November 1997: Ein Bocholter Bankräuber nimmt auf seiner Flucht immer neue Geiseln und erpresst immer wieder Fluchtwagen. Als ein 33-jähriger Autofahrer zu entkommen versucht, wird er von dem Verbrecher erschossen. Erst drei Monate später wird der Täter in Den Haag gefasst.
3. Dezember 1998: Zwei etwa 40-jährige Männer überfallen in Bad Pyrmont eine Bank und bringen den Filialleiter und eine Angestellte in ihre Gewalt. Mit ihnen fahren sie durch drei Bundesländer ins hessische Rüdesheim, wo sie die beiden Geiseln freilassen und zu Fuß weiterflüchten. Sechs Wochen später werden sie in der Region Ludwigshafen gefasst.
29. März 1999: Ein Kosovo-Albaner bringt in einer Filiale der HypoVereinsbank am Hauptbahnhof München acht Angestellte in seine Gewalt. Er lässt die Geiseln nach und nach frei. Er verlangt ein Gespräch mit einem Fernsehteam, ein Spezialkommando der Polizei nimmt den Täter fest.
20. Dezember 1999: Drei Mitarbeiter eines Geldtransporters werden von einem Mann bei einer Tour überwältigt. Mit ihnen fährt er in die Aachener Filiale der nordrhein-westfälischen Landeszentralbank und verschanzt sich dort. Mit einem gezielten Todesschuss auf den Geiselnehmer beendet die Polizei nach 50 Stunden das Verbrechen.
12. Januar 2001: Ein Bankräuber bringt in Borken bei Kassel vier Menschen in seine Gewalt. Zwei lässt er am frühen Abend frei. Der 43-jährige Ägypter gibt Stunden später auf.
8. Februar 2001: Ein Mann dringt in die Wohnung eines Bankangestellten ein und verschanzt sich mit ihm und drei weiteren Personen in einer Nürnberger Bank. Dort verbracht er zusammen mit den Geiseln die Nacht. Als am Morgen die anderen Angestellte eintreffen, nimmt er sechs weitere Geiseln und erbeutet einen sechsstelligen Geldbetrag. Der Täter flüchtet danach zu Fuß. Zehn Tage später wird ein 42-jähriger Mann festgenommen.
7. Mai 2001: Ein 42-jähriger bewaffneter Mann bringt in der Sparkasse Monheim bei Düsseldorf eine 33-jährige Angestellte in seine Gewalt und verlangt Geld. Mit der Geisel und der Beute flüchtet er zu Fuß in Richtung Innenstadt. Nachdem er die Frau freigelassen hat, wird er von der Polizei überwältigt.