Chronik Vier Monate im Dschungel
Hamburg - Das Geiseldrama begann Ostern auf der Urlauberinsel Sipadan (Malaysia). Eine Übersicht der wichtigsten Ereignisse:
23. April (Ostersonntag): Die moslemische Terrorgruppe Abu Sayyaf
entführt 21 Menschen, darunter das Ehepaar Wallert mit Sohn Marc, von Sipadan auf die südphilippinische
Insel Jolo.
9. Mai: Der EU-Beauftragte für die Gemeinsame Außen- und
Sicherheitspolitik, Javier Solana, dringt bei Präsident Joseph
Estrada auf eine friedliche Lösung.
27. Mai: Erste direkte Verhandlungen. Die Regierungs-Unterhändler
weisen Forderungen nach einem separaten islamischen Staat zurück.
17. Juni: Die Entführer fordern erstmals schriftlich rund 9,5
Millionen Mark für die Freilassung der fünf weiblichen Geiseln.
22. Juni: Eine erste malaysische Geisel wird freigelassen.
2. Juli: SPIEGEL-Reporter Andreas Lorenz wird entführt.
13. Juli: Bundesaußenminister Joschka Fischer und seine Amtskollegen
aus Frankreich und Finnland bekräftigen in Manila ihre Ablehnung von
Lösegeldzahlungen.
17. Juli: Renate Wallert kommt frei.
21. Juli: Weitere asiatische Geiseln werden auf freien Fuß gesetzt.
27. Juli: Andreas Lorenz und ein philippinischer Prediger kommen auf
freien Fuß, zwei Tage später ein philippinisches Reporter-Ehepaar.
7. August: Chefunterhändler Roberto Aventajado drängt die
Heimatländer der Entführten abermals indirekt zu "Hilfsprojekten" für
die verarmte Region.
11. August: Ein Mittelsmann der philippinischen Regierung wird zu den
Kidnappern entsandt, um die Freilassung der noch 17 Geiseln auf einen
Schlag zu erreichen.
13. August: Der frühere libysche Botschafter in Manila, Rajab
Azzarouk, trifft auf Jolo ein und schaltet sich erneut in die
Verhandlungen ein.
16. August: Als weitere einheimische Geisel wird die Köchin Lucrecia
Dablo freigelassen.
20. August: Die drei letzten malaysischen Geiseln werden
freigelassen. Für sie und die philippinische Geisel sollen
umgerechnet rund 2,8 Millionen Mark gezahlt worden sein.
20. August: Aventajado weist ein Ultimatum der libyschen Regierung
zurück, nach dem sie sich aus den Verhandlungen zurückziehen will,
sollte es binnen 48 Stunden keine "positive" Bewegung in den
Verhandlungen geben.
21. August: Nach Angaben des philippinischen Geheimdienstes
scheiterte die erwartete Freilassung der westlichen Geiseln, weil
eine vereinbarte "Anzahlung" die Kidnapper nicht erreichte. Die Summe
sei "verschwunden".
24. August: Gemeinsam mit dem französischen Präsidenten Jacques
Chirac und der finnischen Präsidentin Tarja Halonen appelliert
Bundeskanzler Gerhard Schröder an den philippinischen Präsidenten
Estrada, die Sicherheit der Geiseln nicht durch Gewaltanwendung zu
gefährden.
27. August: Werner Wallert (57) und vier Frauen kommen auf freien
Fuß.