SACHBUCH Das Geschäft mit dem Grünen
Grün beruhigt die Nerven - und was die Nerven beruhigt, lässt man sich gern etwas kosten: Überarbeitete Manager werden zum angeleiteten Umarmen von Bäumen in den Wald geschickt, Unternehmensberater füllen Büros mit typgerechten Zimmerpflanzen an. Noch nie erhoffte man sich so viel von der gezähmten Natur, und noch nie wurde so viel Geld für Grünes ausgegeben wie heute. Bei den Recherchen für ihr Buch »Wie viel Garten braucht der Mensch?« stellte die österreichische Fernsehjournalistin Ingrid Greisenegger fest, dass die Gartenindustrie auch in sparsamen Zeiten weiter wächst: »Was die Menschen im täglichen Leben einsparen, geben sie im grünen Freizeitkonsum wieder aus« - für Pflanzen wie für Gartenbücher. Allein in Österreich wurden im vergangenen Jahr mehr als 400 000 Ratgeber für Hobbygärtner verkauft. Auch große Unternehmen und Werbestrategen machen mit beim Grünkult: BMW finanzierte eine Studie zur gesundheitsfördernden Qualität von schön bepflanzten Büros, Kaufhäuser versuchen, durch grüne Inseln ihre Kunden in angenehme Laune zu versetzen - grünes »Mood-Management« nennen das die Werber.
Ingrid Greisenegger: »Wie viel Garten braucht der Mensch?« NPBuchverlag, St. Pölten; 174 Seiten; 21,90 Euro.