DDR-Erbe Schatzsuche in Honeckers Bunker
Berlin - Das im DDR-Amtsjargon so genannte "Spezialbauwerk 5001" in der Nähe des Ortes Prenden, 20 Kilometer nördlich von Berlin, ist vergleichsweise gut erhalten, vor allem trocken. In 170 Räumen auf drei Etagen wollte die DDR-Führung, vereint im "Nationalen Verteidigungsrat", einen Atomkrieg überleben. Die Suite des Parteichefs Schlafraum mit zwei Betten (eines für die ungeliebte Ehefrau und Ministerin Margot), Badezimmer mit Wanne (der einzigen im Bunker) und Salon könnte mit geringem Aufwand wieder wohnlich gemacht werden.
Der Bunker, im Dezember 1983 vom SED-Politbüro offiziell eingeweiht, hat bis zu sieben Meter dicke Betonwände und ist zusätzlich durch eine Stahlhülle rundum abgekapselt. Der eigentliche Clou ist seine Dämpfung: Er ist an armdicken Stahltrossen aufgehängt und ruht zusätzlich auf dicken Gummipuffern, stickstoffgefüllten Blasen und Stahlfedern. Sogar einen Atomschlag des Klassenfeindes mit der Wucht einer Hiroshima-Bombe hätte der Bunker schwingend weggesteckt. Die Arbeits-, Wohn- und Ruheräume in 96.000 Kubikmeter umbautem Raum, dazu 24 Vorratslager, Wasser- und Öltanks sowie ein Operations- und Krankentrakt wurden durch eine eigene Elektro-, Kommunikations und Brunnenanlage autark versorgt. Trotzdem wollte die Bundeswehr das Schmuckstück (offizielles DDR-Codewort: "Perle") nicht haben. 1993 wurde der Bunker versiegelt, eigentlich für alle Zeiten.
Die ungebetenen Bunkerknacker, ausgewiesen durch eine hingesprühte Mail, klagten in der letzten Woche über schlechte Luft in der "Perle". Mangels Ventilation ist der Anteil toxischer Substanzen wahrscheinlich aus den Fäkalientanks so hoch, dass die Augen brennen. Die Hoffnung der Eindringlinge, im unterirdischen Labyrinth verlorene Schätze der DDR, am liebsten Goldbarren, zu finden, hat sich nicht erfüllt. Ihr wertvollstes Beutestück: Der Wasserkran von Honeckers Wanne.
Der Einstieg zur "Perle" befindet sich, gut getarnt, auf einem Areal, das die Parteiführung herrschaftlich dimensioniert hat. Es ist 202 Hektar groß. Das Gelände, seit DDR-Zeiten mit einigen Kasernen und "Tarngebäuden" gegen die Luftaufklärung der US Air Force bestückt, wird derzeit von Sportschützen mit großkalibrigen Waffen genutzt. Klein ist nur das Einstiegsloch in die Finsternis: 40 mal 50 Zentimeter.
Das hat der Pächter des Grundstücks zwar nun erst einmal wieder zuschweißen lassen, schon wegen der giftigen Dämpfe im Innern. Für die Neugierigen steht aber eine Website bereit, die zahlreiche Informationen bereit hält. Dort ist auch das Buch zum Bunker zu bestellen. Titel: "Befehl Filigran" Auf den Spuren interessanter Bunker, von Paul Bergner