Live-Show auf der Bühne: Buhrufe für Charlie Sheen
Debakel in Detroit Zuschauer flüchten aus Charlie-Sheen-Show
Detroit - Die ersten Zuschauer der Show "Torpedo der Wahrheit" gingen schon nach 20 Minuten: Bei einem Live-Auftritt in Detroit hat US-Schauspieler Charlie Sheen seine Fans verprellt, viele kritisierten die Show scharf. "Das war das Schlechteste, was ich in meinem ganzen Leben gesehen habe", sagte die 26-jährige Besucherin Jennifer Pyryt. "Die Show war furchtbar." Die 42-jährige Mary beschwerte sich vor allem über Witze, die Sheen über Detroit als Stadt der Drogen und gestohlenen Autos machte.
Der Auftritt war die Premiere einer Live-Tour durch die USA, die Sheen nach seinem Rauswurf beim Fernsehen angekündigt hatte. Die Tickets für seine Shows verkauften sich dank seiner Präsenz auf dem Online-Netzwerk Twitter teils innerhalb weniger Minuten. Viele der 5100 Zuschauer wollten nach der knapp einstündigen Show am Samstag nun aber ihr Geld zurück.
Dabei begann die Show gut für Sheen, der mit seinen beiden Lebensgefährtinnen - einem früheren Pornostar und einer Schauspielerin - auf die Bühne kam. Die Leute applaudierten stehend, die Frauen trugen Plakate mit den Aufschriften "War" und "Lock" - zusammen ergibt dies das englische Wort für Hexenmeister. Doch schon bald entpuppten sich seine bisher bewunderten Schimpftiraden als fauler Zauber. Als ein Zuschauer buhte, konterte Sheen: "Ich hab schon dein Geld, Alter."
"Nennt es bloß nicht Unterhaltung"
Es blieb nicht bei einem Buhruf. "Ich habe ein wenig Unterhaltung von ihm erwartet", sagte der 34-jährige Rodney Gagnon. "Es war nur leeres Geschwätz." Auch die Einspielung eines von Sheen geschriebenen, gedrehten und produzierten Kurzfilms mit einem jungen Johnny Depp fand keine Gnade. Die Leute buhten. Und dann hatte Sheen auch noch einen Gastauftritt von Rapper Snoop Dogg versprochen. Am Ende, als schon viele Fans gegangen waren, wurde das Video zu einem neuen Song des Rap-Stars eingespielt.
Viele hatten wohl gehofft, Insider-Storys über Sheens Drogen- und Party-Eskapaden zu hören. Doch nichts davon gab der 45-Jährige zum Besten, stattdessen wurde ein Großteil seiner Monologe und Sketche von Zuschauerrufen unterbrochen. Sheen gelang es nicht, die wütende Menge zu besänftigen.
Auch die ersten Kritiken der Show waren vernichtend: "Nennt es Tigerblut oder Adonis-DNA, wenn ihr wollt. Aber nennt es bloß nicht Unterhaltung", schrieb David Rooney im "Hollywood Reporter". Damit spielte er auf Begriffe an, die Sheen immer wieder bemüht hatte, um seine nach eigenem Empfinden außergewöhnliche Konstitution zu beschreiben.
75 Dollar für eine Eintrittskarte
Sheens Rauswurf bei der Comedy-Sendung "Two and a Half Men" hatte einen riesigen Medienhype ausgelöst. Bei seinem Streit mit Warner Brothers hielten viele Fans noch zu ihm, seine Schimpftiraden gegen Sender und Produzent ließen seine Twitter-Gefolgschaft auf 3,5 Millionen "Follower" anwachsen.
Sheen galt als einer, der Klartext redete, und seine 20-Städte-Tournee "Torpedo of Truth" weckte hohe Erwartungen: 75 Dollar (53 Euro) zahlten Fans Eintritt, einige waren per Flugzeug angereist und hatten das Ticket für eine weitere Show bereits in der Tasche - wie der 69-jährige Geoff Rezek aus Connecticut. "Ich wollte die erste Show nicht verpassen", sagte er. "Wer weiß, ob es eine zweite gibt?" Die Eintrittskarte für Sheens Auftritt nächste Woche in seinem US-Staat hat er allerdings schon.
Angesichts vernichtender Zuschauerreaktionen erscheint es nun jedoch fraglich, ob Sheens Tour tatsächlich erst wie geplant am 3. Mai in Seattle endet. "Mein Rat: Sag den Rest der Tour ab", twitterte jemand unter dem Namen ChrstosMO. Auch Peter Orlowski, ein Anwalt, glaubt nicht, dass Sheen die Tour durchhält. Er habe eine gute Show erwartet, stattdessen aber ein Wrack gesehen. Einer seiner Freunde habe bisher ein Milli-Vanilli-Konzert als die schlechteste Show betrachtet, die er erlebt habe. "Nun hegt er keinen Groll mehr gegen Milli Vanilli", sagte Orlowski.