Dementi aus Algerien Verwirrung über Geiselbefreiung
Algier - Der amtlichen Nachrichtenagentur APS zufolge nannte der Generalstab die Meldungen "mehrerer internationaler Medien" über die Befreiung der 15 Geiseln "Behauptungen". Es würden jedoch weiter alle Anstrengungen unternommen, um die entführten Touristen zu befreien.
In der unzugänglichen Bergregion von Tamelrik sei es im Morgengrauen zu einer Militäraktion gekommen sein, um die 15 entführten europäischen Touristen - darunter zehn Deutsche - zu befreien, hatte es geheißen. Unter Berufung auf Fremdenführer und Journalisten in der Region meldete die Nachrichtenagentur dpa am Mittag, die Geiseln seien frei. Allerdings habe es bei der Militäraktion Opfer gegeben.
Fremdenführer in Südalgerien hätten der dpa berichtet, die Armee habe am Sonntag grünes Licht für den Angriff erhalten. Die Soldaten hätten die Bergregion von Tamelrik 150 Kilometer von Illizi umzingelt, sagte ein Fremdenführer, der den Soldaten bei der Suche nach den Geiselnehmern geholfen haben will. Bei den Militärs handele es sich um dieselbe Fallschirmjägereinheit, die am vergangenen Dienstag die erste Gruppe von 17 Geiseln befreit habe.
Auch der Rundfunksender Radio France Internationale (RFI) meldete am Mittag unter Berufung auf algerische Sicherheitskräfte, die Geiseln seien frei. Sie würden zu einem Flugzeug gebracht. Unklar sei, ob sie nach Algier oder Europa fliegen sollen. Der Nachrichtensender n.tv berichtete, die Befreiten würden zunächst in die algerische Hauptstadt gebracht.
Von offizieller Seite war jedoch keine Bestätigung zu den Berichten zu bekommen. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin sagte, man äußere sich grundsätzlich nicht zu solchen Informationen. Am späten Nachmittag dementiert dann das algerische Militär, die Geiseln seien befreit worden.
Algerische Medien machten zuvor unterschiedliche Angaben zum Stand des Geiseldramas. Während das arabischsprachige Blatt "El Youm" aus Algier berichtete, die zweite Gruppe der gefangenen Sahara-Touristen sei frei, schrieb die Zeitung "Le Jeune Indépendant", eine Befreiungsaktion stehe kurz bevor. Hochrangige Militärs seien seit mehreren Tagen in der Zone präsent, in der die Geiseln festgehalten würden.
"El Youm" berief sich auf Informationen von Sicherheitskräften, nannte jedoch keine weiteren Einzelheiten. Der staatliche algerische Rundfunk bestätigte bislang keine dieser Informationen.
Am vergangenen Dienstag waren 17 Touristen - darunter sechs Deutsche - in einer gewaltsamen Aktion von algerischen Sicherheitskräften befreit worden. In der Nähe ihres Verstecks entdeckten algerische Militärkräfte am Wochenende 13 Raketenwerfer ägyptischer Fabrikation. Das könnte auf eine Verbindung zum Terrornetzwerk von al-Qaida hinweisen, schrieb die Tageszeitung "El Watan" unter Berufung auf Militärangaben. Unter den Entführern seien auch ausländische Terroristen. Die Geiselnahme ist der Zeitung zufolge "mindestens ein Jahr lang gut vorbereitet worden".
In der Gewalt der Geiselnehmer befinden sich derzeit noch 15 Europäer: Zehn Deutsche, ein Niederländer und vier Schweizer. Die Geiseln waren zum Teil vor mehr als drei Monaten verschleppt worden.