Der Fall Wachtel Chronologie eines Verbrechens
Peine/Hildesheim - Drei Jahre nach dem grausamen Tod des Schülers Markus Wachtel aus Peine und ein Jahr nach Prozessbeginn ist am Montag vor dem Hildesheimer Landgericht das Urteil gesprochen worden. Der 19 Jahre alte Angeklagte wurde zu sechs Jahren Jugendhaft verurteilt. Eine Chronologie des Falles:
7. März 1998: Der 13-jährige Markus Wachtel verlässt in Peine-Stederdorf am Abend noch einmal das Elternhaus und leiht sich ein Videospiel in der Nachbarschaft aus. Danach verschwindet er.
10. März 1998: Drei Tage später entdeckt ein Suchtrupp Leichenteile in einem vom Elternhaus nur etwa 900 Meter entfernten Kiesteich.
12. März 1998: Die ersten Obduktionsergebnisse belegen, dass Markus erwürgt und die Leiche zerstückelt wurde.
Anfang November 1998: Die Gerichtsmediziner finden in einem komplizierten Untersuchungsverfahren ein fremdes Hautteil. Eine Speichelprobe bei 2100 Einwohnern von Stederdorf bleibt erfolglos.
Juli 1999: Eine neue Befragung der Bevölkerung führt schließlich zu einem Sohn einer kasachischen Spätaussiedlerfamilie.
22. September 1999: Der Haftrichter des Amtsgerichts Peine erlässt Haftbefehl gegen den 18 Jahre alten Berufsschüler.
16. Oktober 1999: Noch immer unbekannte Täter schänden das Grab des Schülers und stehlen den Kopf der Leiche. Er fehlt bis heute.
17. Mai 2000: Vor der Jugendstrafkammer des Hildesheimer Landgerichts beginnt der Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
18. April 2001: Nach 56 Verhandlungstagen rückt der Staatsanwalt vom Mordvorwurf ab und fordert stattdessen sechs Jahre Jugendstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung mit Todesfolge für den Angeklagten.
23. April 2001: Der erste von drei Anwälten plädiert auf Freispruch. Er sieht keinerlei Beweise für eine Schuld seines Mandanten. Die beiden anderen Verteidiger schließen sich später an.
30. April 2001: Das Landgericht Hildesheim verurteilt den 19-Jährigen wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu sechs Jahren Jugendhaft.