Der Fremde im Spiegel - DER SPIEGEL
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IDENTITÄT Der Fremde im Spiegel

Der britische Chirurg Peter Butler will die Gesichter von Toten auf die Köpfe von Lebenden verpflanzen, die durch Krebs, Unfall oder Krieg entstellt worden sind. Erste Kandidaten haben sich gemeldet für das bei Medizinern und Patienten umstrittene Projekt.Von Barbara Supp
• aus DER SPIEGEL 14/2003
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Es ist das Gesicht eines Nordwesteuropäers, irischstämmig, leicht rosa die Haut. Eine hohe, gerade Stirn, eine schmale Nase mit weiten Nüstern, eine dunklere Hautpartie oberhalb der Lippen, eine gut verheilte Narbe vielleicht.

Um dieses Gesicht vom Kopf zu lösen, »zu ernten«, wie Mediziner sagen, würde man den Schnitt am Haaransatz setzen, dann direkt vor dem Ohr und in der Kinnlinie am Hals. Man würde die Nase ablösen, die Lippen, die Lider. Haut und Muskeln und vielleicht auch etwas Knorpel würde man entnehmen, wenn Peter Butler hirntot wäre. Und man würde das alles verpflanzen auf den Kopf eines anderen Menschen, der von da an damit leben soll.

Peter Butler ist nicht hirntot, er ist Plastischer Chirurg am Londoner Royal Free Hospital. Er will Gesichter transplantieren, das hat er im Herbst vergangenen Jahres auf einem Chirurgenkongress verkündet und hat damit Aufruhr verursacht, bei Fachleuten und bei Laien sowieso.

Ein ehrgeiziger Mensch, den man kennt in der Medizin. Er ist einer aus jener Gruppe, die vor acht Jahren in einem Labor in Massachusetts auf einer Maus ein menschliches Ohr heranzüchtete, eine Sensation damals, die die einen vom Fortschritt schwärmen und die anderen gruseln ließ.

Jetzt hat er sich Menschen mit zerstörten Gesichtern vorgenommen und will ihnen die Gesichter von Toten geben, ein Vorgang, den es bisher nur in Kinofilmen gab. Jetzt steht Peter Butler, 40, in seinem weißen Arztkittel im Untergeschoss des Royal Free Hospital, hat mal eben noch ein amerikanisches Fernsehteam verabschiedet, das seine Sensation in die Welt senden wird, und nun doziert er, fährt kreisend mit dem Zeigefinger einmal seine Gesichtsfläche nach, »so werden wir die Schnitte setzen. So ähnlich, wie wir es bei Schönheitsoperationen schon tun«.

Eine seltsamer Ort, dieser Keller. In einem Nebenraum prüft eine Gruppe von Fachleuten das Plastikmodell eines männlichen Unterkörpers, an dem Studenten später üben sollen, wie man Blasenkatheter legt. Aus seiner Kühlkammer schaut ein gut gelaunter Anatom auf einen Kaffee vorbei, preist den Kollegen Butler und dessen Projekt, murmelt »mein komisches Gesicht könnten sie haben, aber das wollen sie sicher nicht« und verschwindet wieder in der Kammer, bei seinen Leichen.

Butler lächelt nicht. Leise spricht er und ernst, ein irisch weich verschliffenes Englisch, er steht neben einem Menschenskelett in klinisch sauberem Zimmer und sagt: »Es ist möglich. Wir können es tun. In ein paar Monaten sind wir so weit. Die Frage ist, sollen wir es tun?«

Das Gesicht ist das, was die anderen sehen. Man selbst sieht es nicht. Es bezeugt das Geschlecht, die Völker- und Familienzugehörigkeit des Trägers, es zeigt die Spuren der persönlichen Biografie. Und wenn es reglos bleibt oder verwachsen wirkt, wird der Mensch dahinter von Mitmenschen oft behandelt, als wäre er debil.

Mit 18 Monaten etwa lernt ein Kind, sich als »Ich« zu erkennen in diesem Gebilde, das es im Spiegel erblickt, in einem Menschenleben geschieht das viele tausend Mal. Aber es ist verletztlich, dieses Gesicht, es kann verbrannt, zerschlagen, zerschossen werden, kann ganz plötzlich zerstört werden durch einen Unfall, durch Terror, durch Krieg. Oder durch Krebs, der sich durch das Gewebe frisst und anschließend durch die Chirurgen, die den Krebs bekämpfen und oft wenig übrig lassen von dem, was früher im Spiegel »Ich« gewesen ist.

In jedem Land gibt es Menschen, die mit solchen Gesichtern leben müssen. Sie sind es, die man zu fragen hat, wie man sich fühlt mit zerstörtem Gesicht. Und ob es besser wäre, eines zu tragen, von dem man weiß: Es hat schon mal jemand anderem gehört.

»Am Anfang denkst du nur: Der Tumor muss raus. Alles andere ist egal.« Helmut Dorn ist so jemand, ein Mann von 52 Jahren, Versicherungskaufmann aus Mannheim und Krebspatient, einer von denen, die eines Tages in den Spiegel schauen und denken: Und das bin jetzt ich?

Vier Schweißdrüsenkarzinome, das war die Diagose, »und das hieß: Die ganze untere Mundhälfte musste weg«. Die Ärzte saßen am Bett und zeigten Fotos und Zeichnungen, so ungefähr würde es werden, »und ich dachte, ich habe das begriffen, vom Verstand her«, aber dann - »dann bin ich vier, fünf Tage ohne untere Mundhälfte herumgelaufen, ohne Kieferknochen, die Zähne lagen frei. Und dann schaust du auf dein Spiegelbild, ein Monster, denkst du. Wenn man mich damals gefragt hätte, ob ich ein neues Gesicht will - vielleicht hätte ich gesagt: Ja«.

Dorn leitet eine Selbsthilfegruppe, »Tulpe« heißt sie, und er kennt viele, die den Schrecken erlebt haben beim Anblick des Gesichts im Spiegel. Seines ist geflickt worden, ein bisschen steif ist es, aber er kann reden und essen und sagt, er komme klar. Aber er weiß auch von anderen, denen das nicht so geht. Einen gab es beispielsweise, etwa 50 Jahre alt, der ging nie mehr vor die Tür. Und ein paar Monate später war er tot, hatte sich zu Tode gesoffen, wie es hieß.

Der Mensch ist ein Augentier, er ist es nicht gewöhnt, Gesichter unwichtig zu finden. Kinder hören in Bibelgeschichten vom Brudermörder, der sein Kainsmal trägt. In Märchen sind die Hässlichen böse und die Guten schön.

Es ist nicht Einbildung, seriöse Studien haben es nachgewiesen: Die Leute setzen sich tatsächlich signifikant seltener neben jemand in der U-Bahn, wenn der eine Narbe im Gesicht trägt und noch seltener, wenn ein Muttermal das halbe Gesicht bedeckt. Und wenn kleine Kinder die Wahl haben zwischen einem Spielgenossen mit Krücken und einem mit entstelltem Gesicht, dann wird meist das Kind mit Krücken gewählt.

»Ich habe vor zwölf Jahren zum ersten Mal von der Idee gehört, dass man Gesichter verpflanzen könnte. Ich war entsetzt. Aber jetzt ...«

Jetzt ist das anders? »Jetzt denke ich mir: Vielleicht ist das der Weg, den man gehen muss.«

Christine Piff würde von sich selbst wohl nie als »Monster« sprechen. Sie ist eine englische Lady und war eine junge Mutter von drei Kindern, damals vor 25 Jahren, als die Ärzte bei ihr eine seltene Art Krebs entdeckten. Sie hat ein Auge, ein halbes Gesicht, ein Stück Gaumen verloren, und ohne ihre »Epithese«, so nennen die Ärzte den Gesichtsersatz, könnte sie nicht sprechen. Sie sagt: »Mein altes Leben starb, damals.« Sie kennt das Zurückzucken vor sich selbst, kennt die furchtbare Angst: Ist das Leben jetzt vorbei?

Sie kennt auch Peter Butler. Sie will heute darüber reden, in einem Patientenzimmer im Edgware Community Hospital, mit der Gruppe »Let's Face It«, die sie gegründet hat. Mit Peggy, die ein Stück Zunge und damit den Geschmack verloren hat, mit Jean, die nach ihrer Operation nicht mehr leben wollte, mit Thelma, die ihren Mann Peter an den Krebs verloren hat. Mit Brian, der vor zwei Jahren seine Jenny begrub. Erst dachten Jennys Ärzte, sie habe eine Nebenhöhlenentzündung, dann musste das halbe Gesicht weg, dann noch mehr und dann so viel, dass nichts mehr blieb, worauf man eine Epithese hätte setzen können, »aber Jenny war tapfer. Jenny war stark«.

Da sitzt also ein Dutzend Menschen mittleren Alters, mit unüblichen Gesichtszügen, es gibt Kekse, die manche essen können und manche nicht. Sie tauschen sich aus darüber, wie man vielleicht doch einen Job bekommt, wenn einem das halbe Kinn fehlt. Oder was man tut, wenn man in der U-Bahn sitzt und ein Kind starrt einen an und flüstert hörbar, »schau mal, Mama, die Dame da hat nur ein Auge«. Man antwortet: »Stimmt, Kleiner. Und jetzt erkläre ich dir mal, wie das kommt.«

Will man das, ein neues Gesicht? Ein fremdes?

Thelma sagt: »Vielleicht. Vielleicht hätte Peter sich das überlegt, wenn es möglich gewesen wäre.« Brian sagt: »Ich glaube, Jenny hätte bleiben wollen, wer sie war.«

Sie essen Kekse, sie schweigen für einen Moment, dann meldet sich Jeans Schwester, die Jean beim Überleben hilft, und diese Schwester sagt: »Ich habe gesehen, wie Jean gelitten hat. Ich glaube, Peter Butler hat da gar keine so schlechte Idee.«

Es ist eine Idee, die nach Science-Fiction klingt. Und es ist Zeit zu prüfen, ob es sich um medizinische Wirklichkeit handeln kann, Zeit also, Iain Hutchison zu befragen, einen Experten für rekonstruktive Chirurgie.

Hutchison ist Mund- und Kieferchirurg am Royal London Hospital, er hat langjährige Erfahrung darin, Gesichter zu retten und nimmt seine Arbeit ernst genug, dass er sie nicht nur auf die Medizin beschränkt. Für seine Stiftung »Saving Faces« hat er den Maler Mark Gilbert beauftragt, Menschen mit entstellten Gesichtern zu porträtieren. Damit die Öffentlichkeit lernen kann, so formuliert es der Maler Gilbert, »dass diese Leute Persönlichkeiten sind. Und nicht nur ein Klumpen Fleisch«.

Was also ist zu halten von Butlers Idee? Ist sie realistisch? Ist sie gut?

Man trifft Iain Hutchison spätabends, von seiner Klinik kommend, ein wenig müde, aber wortmächtig, an seinem Küchentisch im gediegenen Stadtviertel Hampstead, und er sagt: »Es ist möglich. Technisch ist es möglich. Ich sehe da eigentlich kein Problem.«

Die Nerven zu verknüpfen zwischen Empfänger und Spendergesicht; die Blutversorgung zu schaffen - die Mikrochirurgie beherrscht so etwas heute, das ist nicht das Problem. Es ist möglich geworden, komplexes Gewebe zu verpflanzen - so, wie nun Hände transplantiert werden können, mit Muskeln, Nerven, Knochen und Knorpeln, so sei das prinzipiell auch möglich mit einem Gesicht.

Aber es müsste, fordert der Chirurg Hutchison, »die beste Möglichkeit sein, die wir haben. Und so sehe ich das nicht«.

Knochen sind ersetzbar. Vom eigenen Körper des Patienten kann man sie holen oder von der Knochenbank, die »denaturierte« Knochen und Knorpel lagert, also solche, die so bearbeitet sind, dass der Körper sie nicht mehr als Fremdkörper erkennt. Auch Fleisch kann man beim Patienten selbst ernten; der Brustmuskel bietet meist Material genug.

Die Haut allerdings - »die ist tatsächlich ein Problem«, das leugnet er nicht. Es gibt Hauttransplantate, aus eigenen Körperzellen gewonnen, die kultiviert und vermehrt werden können - aber die werden immer als Transplantate erkennbar sein. Sie haben nicht dieselbe Struktur wie normale Haut, sie sind »totes«, nicht durchblutetes Material. Und es gibt die Möglichkeit, ganze Gewebelappen zu transplantieren, die durchblutet sind und leben. Aber auch die werden sichtbar bleiben, sie bilden Wülste, wachsen krumm und fallen auf.

»Bei Brandopfern haben wir keine befriedigenden Ergebnisse«, sagt Hutchison, »da wäre vielleicht eine Indikation«, sagt er, »aber was«, er zögert, »wenn das fremde Gesicht dann doch abgestoßen wird? Man muss es ja nicht tun. Muss das Risiko nicht eingehen. Man braucht das Transplantat ja nicht, um zu überleben. Das ist nicht wie bei einer Lunge, bei einem Herz.«

Man muss es nicht tun. Man würde nicht ein Leben retten, sondern ein Leben verbessern, vielleicht. Man würde Menschen ansehnlicher machen - ist das der Zweck?

In seinem weißen Arztkittel im Untergeschoss seines Krankenhauses steht Peter Butler, ernst, ehrgeizig und sagt, »es geht nicht um Kosmetik. Verstehen Sie mich nicht falsch. Es geht nicht um Michael-Jackson-Medizin. Es geht um Menschen, die nicht mehr essen, hören, riechen, sprechen können. Es geht auch darum, dass in Zukunft so jemand ein Zimmer betritt, und keiner schreckt vor ihm zurück.«

Mr. Butler, was fasziniert Sie an plastischer Chirurgie?

»Ich konnte mich nicht entscheiden, früher, ob ich Kunst studieren soll oder Medizin. Ich hatte die Zulassung für beides.«

Und jetzt hat sich so ein Brandopfer gefunden, ein Mädchen von 14 Jahren; wird es, wie englische Medien spekulieren, die erste Patientin mit fremdem Gesicht?

Bisher sprach Butler eher von kleinen Kindern, jünger als sechs Jahre, weil bei denen »das Selbstbild noch nicht so ausgeprägt« und damit der Schock der neuen Identität eher verkraftbar sei. Oder von Erwachsenen mit kaputtem Gesicht, aber starker Psyche, denen man zutrauen könne, dass sie damit fertig werden, wenn sie im Spiegel ein Fremder anblickt.

Mehrere Kandidaten haben sich bei Butler gemeldet, eine junge Frau aus Venezuela beispielsweise, deren Gesicht bei einem Autounfall zerstört worden ist. Und ebendieses irische Mädchen, das im Alter von zwei Jahren beim Spielen ein Auto in Brand steckte und fürchterlich entstellt worden ist. Die Mutter rief Butler an und wünschte die Operation für ihre Tochter. Und damit ist die nun Teil der Sensation.

An die Öffentlichkeit wollen sie allerdings nicht. Sie haben bisher jeden Vorstoß der britischen Presse abgewiesen, haben Angebote von mehreren 100 000 Pfund abgelehnt. Sie hoffen auf Butlers Können und sein Glück.

Wenn dieses Mädchen tatsächlich für eine Transplantation in Frage kommt; wenn die Ethikkommissionen zustimmen, an die Butlers Anträge zu richten sind - dann folgt das Warten auf ein passendes Gesicht. Auf eines mit der richtigen Größe, der richtigen Farbe, dem richtigen Alter, dem richtigen Geschlecht.

Nicht viel länger als vier Stunden dürfte die Spenderin tot sein, wenn das Transplantationsteam kommt, um ihr Gesicht zu ernten. Zehn bis zwölf Stunden würde die Operation dauern. Vielleicht vier, fünf Operationen würden folgen müssen, je nachdem, wie gut das Gewebe verwächst. Ein bisschen steif würde das neue Gesicht vermutlich wirken, aber nutzen könnte das Mädchen es wohl schon.

Und ein Leben lang würde die Patientin abhängig von starken Medikamenten sein, die verhindern sollen, dass ihr Körper das Gesicht als etwas Fremdes identifiziert. Vielleicht, wenn sie Glück hätte, würde sie die Droge bald als Salbe auf die Haut auftragen können; das ist es, womit die Immunologie derzeit experimentiert.

Das ist Butlers Plan. Wenn er ein Spendergesicht bekommt.

Wird er das? Kann man sich vorstellen, dass eine Mutter, ein Vater sagt: Meine Tochter ist hirntot, hier, nehmt ihr Gesicht?

Mit solchen Fragen hat niemand Erfahrung, aber sie werden kommen, wenn es nach Butler geht.

Schon jetzt fehlt es ja an Spendern für Herzen, Nieren, Lebern, und wenn Menschen befragt werden, ob sie bereit wären, Organe zu spenden, geben sie häufig an: Alles, nur nicht die Augen, nicht das Herz. Nicht die Teile des Körpers, die ihnen als Sitz der Seele gelten, als unverwechselbares Stück Mensch.

Und es müsste überlegt werden, was nach der Spende mit dem Spender passiert. Es ist ja in vielen Kulturen üblich, dass Menschen einem Toten ins Gesicht schauen wollen, ein letztes Mal, bevor er begraben wird, aber da wäre keines mehr. Würde man ein Plastikgesicht produzieren? So, wie man jetzt schon Plastikhände anbringt bei Toten, denen nach der Spende die Hände fehlen?

In der Gruppe Peter Butlers arbeitet Alex Clarke, eine Psychologin, die normalerweise Patienten vor und nach plastischen Operationen betreut. Jetzt sitzt sie an einer Studie, die diese Dinge erkunden soll: Wird jemand spenden? Und wie groß sind die Chancen, dass sich jemand dazu entschließt?

120 Chirurgen, Krankenpfleger, Psychologen und zufällig ausgewählte Bürger wurden befragt, noch ist die Studie nicht ganz ausgewertet, aber die Tendenz ist klar: Ein Gesicht annehmen würde mancher. Eines hergeben wollen sie nicht. Wenn überhaupt, dann höchstens einem Menschen, der einem sehr nahe steht, einer Schwester oder einem Bruder vielleicht.

Alex Clarke wirkt selbst so, als gestatte sie sich Zweifel. Sie weiß, wie sonderbar manche Menschen über ihr Aussehen denken, sie hat auch mit Leuten zu tun, die wegen Schönheitsoperationen vorsprechen, und sie verspürt das ungute Gefühl, es könnten plötzlich Patienten mit Akne auftauchen und fordern: »Gebt mir ein neues Gesicht.«

Vor allem, findet sie, die Psychologin, »darf man nicht die Botschaft aussenden: Du musst das tun. Du musst dein Gesicht reparieren. Denn nicht die Entstellten haben ein Problem. Sondern wir anderen, weil wir nicht wissen, wie wir damit umgehen sollen«.

»Ich würde nicht blind sein wollen. Nicht das Gehör verlieren. Dann schon lieber mein Gesicht, nur ...« Nur? »Wenn die Funktionen gestört sind, ist es schlimm. Wenn man Blut spuckt. Wenn man ständig tropft oder riecht. Gestank ist eine Barriere, die lässt sich schwer überwinden. Für solche Menschen wäre es das Richtige, vielleicht. Ein neues Gesicht.«

Mit Christine Piff wird sie Listen erstellen und Kriterien entwickeln für Leute, die als Empfänger in Frage kommen, mit Christine Piff von »Let's Face It«, die entschieden hat: »Es ist wohl die Zukunft. Jemand wird es machen. Und vielleicht hilft es ja.«

Helmut Dorn von der deutschen Patientengruppe »Tulpe« kennt niemanden, der sich um ein neues Gesicht bewerben würde, er selbst ohnehin nicht, »ich denke: Es ist nicht schön, aber es ist immer noch mein Gesicht. Ich will nicht wie jemand anderes aussehen. Allein schon sich vorzustellen, dass man die Straße entlanggeht und jemand aus der Familie der Toten trifft? Jemand, der sagt: Sie sehen aus wie mein Bruder, dieses Gesicht hat einmal meinem Bruder gehört?«

»So wäre es nicht«, sagt Peter Butler. »Man würde nicht wie der Tote aussehen. Sondern eher wie ein Kompromiss.«

Er habe eine Menge Briefe bekommen, rührende Briefe, von Leuten, die schrieben, sie würden ihr Gesicht hergeben für das junge Mädchen aus Irland oder für sonst irgendwen. Aber dafür müssten sie erst einmal tot sein.

Mr. Butler, würden Sie selbst Ihr Gesicht spenden?

»Aber sicher. Ich habe meiner Frau definitiv gesagt: Wenn ich sterbe, soll es so geschehen.«

Und Ihre Frau, würde die spenden?

»Ich weiß es nicht. Ich habe sie nicht gefragt.«

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