Der gute Hacker - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 29 / 109

INTERNET Der gute Hacker

• aus DER SPIEGEL 10/2007
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Nach sechs Jahren endete in den USA ein aufsehenerregender Rechtsstreit mit einem Schuldspruch. Ronald K., 66, ein ehemaliger Richter, wurde zu 27 Monaten Haft verurteilt. Auf seinem Rechner hatten Fahnder der Polizei Kinderpornos gefunden. Schlagzeilen machte der Fall wegen der verbotenen Bilder auf dem Computer eines Richters, aber es gab noch einen zweiten, wichtigeren Grund. Die entscheidenden Hinweise, die zur Anklage des Richters führten, stammten von einem Hacker, und der hatte sich die Beweise auf illegale Weise besorgt. Der Hacker deponierte Kinderpornos in einschlägigen Foren im Internet. In den Bildern waren Programme versteckt, die dem Hacker Daten von den Rechnern der Porno-Sammler schickten. Mit Hilfe dieser Daten war es ihm möglich, die Täter zu identifizieren. Bradley Willman, so lautet der Name des Hackers, sammelte Informationen über rund 3000 Personen. Im Internet arbeitete er unter dem Pseudonym »Omni-Potent«. Die Polizei nannte ihn »Citizen Tipster«. Der Rechtsstreit um die Zulässigkeit der Beweise beschäftigte vier Gerichte, immer wieder ging es um die Frage, ob Beweise, die durch eine Straftat beschafft worden waren, vor Gericht eingebracht werden dürfen. Nun entschied ein Gericht in Kalifornien, die Beweise seien zulässig, und der Ex-Richter K., mittlerweile herzkrank, bekannte sich schuldig. Er hoffte wohl auf ein mildes Urteil. Als die Haftstrafe verkündet wurde, brach K. zusammen. Entlassen werden kann er frühestens nach 23 Monaten. Auf ihn warten dann drei Jahre Bewährungszeit und die Aussicht, für den Rest seines Lebens in öffentlich einsehbaren Registern als Sexualstraftäter geführt zu werden.

Zur Ausgabe
Artikel 29 / 109